Prolog
Eigentlich war die Südsteiermark heuer gar nicht eingeplant. Aber nachdem das kleine Mondsee das europäische Schützenfest 2024 mit ca. 30.000 zu erwartenden Gästen austrägt, heißt es für uns: nix wie weg! Und ja, wir tun das eigentlich gar nicht ungern. Die Südsteiermark, mit seinen guten Weinen, dem herrlichen Essen und der wunderbaren Natur die sich so schön bewandern lässt, gehört schon seit längerem zu unseren Gschma-Platzln. Gschma-Platzln? Das Wort „Gschma“ ist eigentlich nur im Dialekt des Salzkammergutes zu finden. Es wird immer dann verwendet, wenn etwas ganz besonders gemütlich und absolut perfekt ist. Demzufolge sind Gschma-Platzln genau jene Plätze, die zum Entspannen, Genießen und Träumen einladen. So wie die Südsteiermark.
30.8.2024 - Anreise nach Kitzeck im Sausal
Es ist soweit. Gegen 11:00 Uhr sind wir fertig und machen uns auf den Weg in die Südsteiermark. Auf der Autobahn gibt es 5 lange Baustellenabschnitte und somit entscheide ich mich für die Direttissima - einfach auf kürzestem Weg von Mondsee nach Kitzeck. Über Bad Isch, das Ausseer Land, den Triebener Tauern, Judenburg, das Gaberl, Köflach und Stainz gelangen wir in gut 4 Stunden nach Kitzeck. Unsere Unterkunft liegt knapp unterhalb von Kitzeck - das Gästehaus Grasch. Inge, unsere Gastgeberin zeigt uns unsere Unterkunft und gibt uns Tipps und gute Ratschläge. Danach fahren wir zum nahe gelegenen Weingut Buschenschank Gerngross und lassen uns saures Rindfleisch, Brettljause und Käferbohnen Salat schmecken. Dazu der gute Muskateller - ein gelungener Start.
31.8.2024 - Altenbachklamm
Nach einer sehr angenehmen Nachtruhe sitzen wir bereits vor 9:00 Uhr beim sehr reichhaltigem Frühstück. Um 10:00 Uhr sind wir beim Ausgangspunkt unserer Wanderung durch die Altenbach Klamm. Zunächst geht es erst einmal steil bergab bis zum Altenbach, der zurzeit fast kein Wasser führt. Am Anfang der Klamm ist der Weg noch sehr gut und nur mäßig steil. Immer entlang des Bachbetts - mal auf der linken Seite, mal auf der Rechten - geht es hoch bis zur Grotte mit der kleinen Madonna. Von den insgesamt 20 Brücken erwartet uns kurz vor der steilen Sektion eine Hängebrücke, an deren Ende eine letzte Möglichkeit besteht, die Klamm über einen Ausstieg zu verlassen. Ab jetzt gibt es nur mehr einen schmalen Steig der gnadenlos nach oben weist. Die Stufen werden immer höher und wir kommen immer mehr ins Schwitzen. Aber nach einer guten Stunde haben wir es geschafft und erreichen den höchsten Punkt der Altenbachklamm. Ab jetzt geht es gemütlich auf einer kleinen asphaltierten Straße zurück zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Immer wieder gibt es schöne Ausblicke auf die hügelige Landschaft der Südsteiermark und wir finden wie so oft ein kleines Häuschen, das sicher mit ein bisschen gutem Willen und handwerklichem Geschick zu einem Schmuckstück werden könnte. Wir entledigen uns der verschwitzten Klamotten und machen uns auf den Weg nach Fötschach zu einem unserer Lieblingswirtshäuser, dem neuen Jägerwirt. Heute gibt es für Madame ein großartiges steirisches Backhendl und ich gönne mir ein nicht minder großartiges Kalbsbeuschel. Fazit des ersten Tages: so kann es gerne weiter gehen!
1.9.2025 - Sankt Nikolaier Panoramaweg
Nach der gestrigen doch recht fordernden Wanderung, lassen wir es heute gemütlicher angehen. Es werden zwar auch wieder 2 Stunden sein, allerdings beträgt die Höhendifferenz nur 180 Meter. Unser Startpunkt ist die Metropole Petzles (60 Einwohner), welche etwas südlich von St. Nikolei liegt. Diese Gegend ist für uns Neuland. Zunächst geht es vorbei an den Weinbergen - sehr zur Freude von Gerti. Ein einsamer Damhirsch gibt uns die Ehre bevor unser Weg in den Wald hineinführt. Die Ruhe hier ist unheimlich. Kein Vogel zwitschert, keine Biene summt und man glaubt alleine auf der Welt zu sein. Bei knapp 30 Grad kommt uns die Kühle des Waldes sehr entgegen. Kurz bevor wir wieder die Zivilisation erreichen, passieren wir einen kleinen Fischteich, in dem sich jede Menge kapitaler Fische tummeln. Der Rückweg zum Ausgangspunkt unserer Wanderung führt uns vorbei an Maisfeldern und Bauernhöfen. Unsere Energiespeicher füllen wir anschließend in der Buschenschank Schneeberger wieder auf. Köstlichkeiten vom Wollschwein und ein Teller mit diversen Aufstrichen passen perfekt zum neuen Sturm. Der Sturm ist eine Vorstufe zum Wein, bei dem die Hefe im Traubenmost noch bei der Arbeit ist und Zucker in Alkohol und CO2 umwandelt. Süß und süffig! Die Speisekarte beim Schneeberger ist außergewöhnlich und wir müssen das sicher noch das eine oder andere Mal hier vorbeischauen.
2.9.2025 - Seiersberg
Heute Morgen herrscht die typische Morgenstimmung der Südsteiermark. Auf den Höhen scheint die Morgensonne und in den Tälern liegt noch der Nebel. Der frühe Vogel fängt den Wurm - wie wahr!
Seiersberg? Ja wo soll der denn sein in der Südsteiermark. Der Name gaukelt uns ein Wanderziel vor, tatsächlich handelt es sich aber um einen Ort südlich von Graz der seit 2015 mit dem Ort Pirka zusammengeschlossen wurde. Was den Ort jedoch besonders macht ist die Tatsache, dass es hier ein sehr großes Shoppingcenter mit knapp 200 Shops und Gastrobetrieben gibt. Miteigentümer ist der Christian Guzzi den ich sehr gut vom Golf her kenne. Heute spazieren wir also nicht 2 Stunden in der Natur herum sondern 2 1/2 Stunden in der Welt des Kommerz. Zwei T-Shirts und ein paar Schuhe wechseln den Besitzer und das war das Unternehmen Seiersberg. Für mich sind Kaufhäuser ein rotes Tuch, aber manchmal muss es halt sein. Und im Gegensatz zum Europark in Salzburg bekam ich hier kein Kopfweh. Die Lüftung arbeitet vorbildlich, allein Informationstafeln mit einem Plan der Geschäfte gibt es nicht. Auf der Rückfahrt nach Kitzeck machten wir beim Gasthaus Kaufmann in Jagerberg Mittagspause. Ein Gasthaus wie damals vor 50 Jahren. Einfach, gut und große Portionen.
3.9.2024 - Silberberg - Kogelberg - Seggauberg Runde
So, heute gibt es anstelle von Seiersberg wieder echte Berge (eher Hügel). Wir fahren zum Parkplatz des Weinlehrpfades und gehen von hier durch zunächst sehr dichtes Gebüsch steil bergan, bis wir auf einen Waldweg stoßen. Immer diesem Waldweg folgend gelangen wir zum Genussplatz 20 - der Annabrunn Kapelle und Heilquelle Annabründl. Nähere Informationen zu Kapelle und Bründl findest du hier. Der Weg führt uns weiter zum Aussichtsturm am Kreuzkogel und von jetzt an geht es zur großen Freude von Gerti stets bergab, entlang der Weinreben (die natürlich verkostet werden müssen), bis zu unserem Ausgangspunkt bei der Wegkapelle. Auf diesem Teil des Weges sehen wir eine ausgewachsene Äskulapnatter (ca. 1,5 bis 2 m), machen ein Foto und lassen sie weiter in der Sonne schlafen. So eine Tour macht hungrig und so trifft es sich gut, dass die Buschenschank Schneeberger nur wenige Kilometer entfernt ist. Heute gibt es gegrillte Ripperl, Winzerstrudel und Käferbohnensalat. Dazu frischen Sturm - seufzerlösend!
5.9.2024 - Fötschacher Höhenrunde
Unsere heutige Wanderung beginnt und endet beim neuen Jägerwirt in Fötschach - sehr praktisch. Zunächst marschieren wir - wie meist - bergauf (manchmal auch bergab aber fast nie gerade) und kommen an diversen Weingütern vorbei. Die Lagen sind oft sehr steil und erinnern an Skisprungschanzen. Wir gehen wie immer abseits der Trampelpfade des Tourismus und haben die ganze Natur für uns. Hier auf den Höhenlagen oberhalb von Fötschach werden sowohl Weiß- als auch Rotweine angebaut. Die Trauben sind süß und reif und es wird wohl bald mit der Weinlese begonnen werden. Nach dem Verlassen der Höhenstraße schlängelt sich der schmale Pfad durch den Wald steil bergab und dann entlang eines kleinen Baches vorbei an Mais- und Hopfenanbau zurück zum Jägerwirt. Heute gibt es einmal mehr Backhendel, Schnitzel und Salat. Dazu der gute Muskateller Wein und das belebende steirische Wasser.
5.9.2024 - Demmerkogelrunde
Heute Morgen präsentiert sich der Himmel grau in grau. Es ist kühler geworden - sehr angenehm. Unsere Hausfrau meint, dass es sicher nicht regnen wird und somit steht einer kleinen Wanderung nichts im Wege. Der Demmerkogel ist mit 671 m Seehöhe die höchste Erhebung im Sausal. Der Name "Sausal" leitet sich vom lateinischen "Solva silva" (Sulmwald) ab. Erstmals findet sich der Name Sausal in einer Urkunde aus 970, mit der Kaiser Otto I. das Gebiet zwischen Sulm und Laßnitz dem Erzbistum Salzburg übertrug. Es gibt 3 Besonderheiten hier am Demmerkogel. Das ist einmal der höchste Klapotetz der Welt der mit einer Höhe von 16 Metern wahrlich beeindruckt. Hier beginnt ein leicht zu gehender Rundweg der ca. 4 km lang ist. Kurz bevor wir die zweite Hauptattraktion erreichen steht am Wegesrand ein Schild mit einem meiner Grundsätze beim Wandern. Beim Aussichtsturm empfangen uns die leicht vergrößerten Exemplare jener Tiere, die hier beheimatet sind. Gerti macht sich gut auf der Eidechse - oder? Das Herzstück der Wanderung ist der Aussichtsturm. Um hinauf zu gelangen muss man 160 Stufen überwinden. Die Sicht ist heute leider nicht so toll, bei klarem Himmel und ohne Dunst hat man aber sicher einen gewaltigen Fernblick. Das dritte Highlight ist die Schmetterlingswiese. Eine große Hangwiese wird sich mehr oder weniger selbst überlassen und nur ab und zu ganz schonend in Teilen gemäht. Hier darf wachsen was wachsen will und unzählige Schmetterlinge finden hier ein kleines Paradies vor. Nach der Wanderung fahren wir zum Weingut Schneeberger zum Mittagessen. Wir nutzen den Besuch auch für eine kleine Weinverkostung, damit wir wissen, was wir am Sonntag bei der Heimfahrt hier einkaufen wollen.
6.9.2024 - Es regnet
In der Nacht gegen 4:00 Uhr werde ich munter und nehme einen wunderbaren Duft in unserem Zimmer wahr. Erfrischend kühle Nachtluft mit dem unverkennbaren Geruch feuchter Erde. Es regnet! Eine Wohltat für Mensch und Natur. Es regnet bis ca. 11:00 Uhr - mal mehr, mal weniger. Wir fahren nach Leibnitz zum Hofer zum tanken und um ein paar Süßigkeiten einzukaufen. Danach geht es weiter zum kleinen Ort Nestelbach wo wir zu Mittag essen wollen. Wegen der Schokolade im Kofferraum brauchen wir einen schattigen Parkplatz. Leider gibt es weit und breit keinen - ja, die Sonne lacht wieder von Himmel - und so fahren wir ein Stück des Weges zurück zum derzeit ausgetrocknetem Nestelbach - Namensgeber für den Ort. Von hier sind es 2 km zu Fuß zum Wirtshaus, grad recht um sich Appetit zu holen. Als Verdauungsspaziergang dient der Rückweg. Mittlerweile hat neben der Weinlese auch die Maisernte begonnen. Bilder vom Essen gibt es heute keine. Es gab eine Pizza und einen Zwiebelrostbraten.
7.9.2024 - Die letzte Wanderung hat es in sich.
Was für ein Morgen! Der Nebel bedeckt das Tal und Häuser und Bäume sind nur schemenhaft zu erkennen. Ja, das Wetter entspricht wieder unseren Vorstellungen und so fahren wir nach dem Frühstück erneut zum Nestelbach, wo wir bereits gestern parkten. Von hier startet die Königsberg - Mattelsberg Runde - alles in allem knapp 9 km lang und soll so 2 1/2 Stunden dauern. Forschen Schrittes gehen wir hoch durch den vom Tau benetzten Wald und genießen die wunderbare frische Luft. Der Königsberg ist unser erstes Ziel und nach gut einer halbe Stunde sind wir oben. Ab jetzt geht es immer mal bergauf mal bergab entlang eines Hügelrückens, den ich fälschlicher Weise als Mattelsberg wähne. Wir gehen durch den Wald wieder runter bis zu einer Straße und sind überrascht auf jener Straße angelangt zu sein, die wir gestern zum Parkplatz bzw. Wirtshaus nutzten. Ein Blick aufs Navi sagt mir, dass wir richtig sind. Ich hätte besser noch einmal aufs Navi schauen sollen, denn wir hätten von eben dieser uns bekannten Straße nach ein paar hundert Metern rechts abbiegen sollen. Der Fehler wird erst offenkundig, nachdem wir auf der Hauptstraße ankommen. Also umkehren und 500 Meter zurückmarschieren bis zum richtigen Weg. 1 km umsonst in praller Sonne ist nicht toll. Jetzt sind wir am richtigen Weg, aber ich muss feststellen, dass der noch vor uns liegende Abschnitt erst der Mattelsberg ist. Also noch einmal rauf auf den Berg und dann auf schmalem Pfad durch den Wald teils steil bergab. Nach gut 3 Stunden sind wir wieder beim Auto, wechseln die verschwitze Kleidung gegen trockene Sachen, machen uns frisch und ab geht es zur Buschenschank Schneeberger. Heute gibt es wieder frische Ripperl und dazu ein saurer Teller mit Rindfleisch, Sulz und Käferbohnen. Alles mit Kernöl mariniert, ein Garant dafür, dass man sich sein T-Shirt versaut. Heute probieren wir den roten Sturm - der weiße ist mir lieber. Um beim Weineinkauf nur ja keinen Fehler zu begehen, verkosten wir noch 1/8 des teureren Muskateller - auch nicht besser als der Billigere. Also wird der Muskateller von der Einkaufsliste gestrichen und nur um sicher zu gehen, dass wir mit dem Traminer keinen Fehler machen verkosten wir den auch noch einmal. Ja, der passt und so gehen wir runter zum Laden und holen uns ein paar Flaschen. Wieder zu Hause erst mal unter die Dusche und für heute Ruhe geben.
8.9.2024 - Heimreise
Heute geht es wieder nach Hause. Wir hatten eine richtig gute Zeit hier in Kitzeck. Viele tolle Wanderungen, jede Menge Buschenschenken und freundliche Leute. Das Wetter meinte es heuer auch ganz besonders gut mit uns. Bis auf das bisschen Regen am Freitag hatten wir perfektes Wetter - fürs wandern vielleicht ein wenig zu warm. Für die Heimfahrt wählen wir heute die Autobahn. Das war keine gute Idee. Unzählige Wohnmobile und Wohnwagen Gespanne sind unterwegs und bei der Mautstelle Kleinalmtunnel gibt es gehörig Stau. Auf der Höhe von Klaus müssen wir die Autobahn verlassen - dürfte wohl ein Unfall passiert sein - und wir fahren ein ganzes Stück auf der Bundesstraße. 17 Euro Maut, jede Menge Reiseverkehr und eine Zeitersparnis von lediglich 1/2 Stunde sind keine gute Alternative. Da lobe ich mir die kleinen beschaulichen Landstraßen.
