Prolog
Im Jahr 2022 hatten wir ja bereits einen Versuch unternommen, Italiens Mitte zu erkunden. Allerdings mussten wir nach wenigen Tagen abbrechen, da Gerti erkrankte. Hoffentlich geht dieses Mal alles glatt.
Wir haben eine eine größer Rundreise geplant, welche uns die mittleren Regionen Italiens näher bringt. Wir werden über Venezien und die Emilia Romagna anreisen und im Osten der Toskana mit den Erkundungen beginnen. Es folgen dann Umbrien, Latium, Molise, Abruzzen und die Marken. Zum Schluss werden wir noch einen Tag in der Region Venezien verbingen.

Wenn wir Glück haben, werden wir Italien auch so erleben.

4.5. - Anreise nach Risano
Unser erster Zwischenstopp liegt in der Nähe von Udine, nahe des kleinen Dorfes Risano. Im Agriturismo Al Gelso werden wir für 2 Nächte bleiben, da wir morgen noch die Einkaufszentren von Udine besuchen wollen.
Aber alles der Reihe nach.
So gegen 11:00 Uhr machen wir uns auf den Weg nach Italien. Da wir mit Stau auf der Tauernautobahn rechnen müssen, kalkulieren wir 1 Stunde Fahrzeit mehr ein. Wie sich dann herausstellt, ist der Stau nur in Richtung Salzburg und wir kommen zügig voran. Kurz vor der Grenze nach Italien tanken wir noch und verlassen die ab jetzt kostenpflichtige Autobahn. Wir sind schon seit mindestens 20 Jahren nicht mehr durch das Kanaltal gefahren - und was soll ich sagen - in den mindestens 20 Jahren hat sich nichts verändert. Seit durch die Autobahn das Kanaltal erschlossen wurde, wirken die kleinen Orte wie ausgestorben. Gegen 16:00 Uhr treffen wir beim Quartier ein und ruhen uns ein wenig aus. Gegen 18:00 Uhr machen wir uns auf den Weg zum nahegelegenen Restaurante Lili Marlen. Ich nehme es mal vorweg - die Bilder sind nicht gut geworden. Lag es am Licht, oder doch eher am Wein? Das Essen war vorzüglich, der Service sucht seinesgleichen und das Ambiente war großartig. Einziger Wermutstropfen ist, dass die morgen geschlossen haben.
5.5. - Udine
Seit gestern Abend hat es bis heute in der Früh teilweise sehr stark geregnet. Nach einem erstklassigen Frühstück machen wir uns auf, die Shoppingcenter von Udine unsicher zu machen. Das größte und eines der ältesten Shoppingcenter ist Città Fiera mit ca. 250 Geschäften auf über 130.000 m² Fläche. Na, da wird doch sicher das eine oder andere Schnäppchen zu finden sein - denken wir. Nach gut 2 Stunden kommen wir zu der Erkenntnis, dass es zwar riesig ist, aber leider findet man nur jene Shops die eben in jedem Shoppingcenter anzutreffen sind. Enttäuscht machen wir uns auf zu einem kleinen Center das relativ neu ist. Hier gibt es nur wenige Geschäfte, vom billigen Jakob bis zum Eurospar - und, das ist das absolute Highlight - ein Geschäft namens Quellogiusto. Dort findet man fast alle Markenartikel unter einem Dach. Wen es interessiert, HIER findest du die Liste der Marken. Und ja, wir haben zugeschlagen! Es gibt wirklich faire Preise für ausgezeichnete Qualität. Da kann Mann (und auch Frau) nicht nein sagen. Nach insgesamt fast 4 Stunden und knapp 10.000 Schritten in den Einkaufstempeln Udines fahren wir wieder ins Quartier und machen uns einen gemütlichen Restnachmittag. Morgen haben wir wieder einen langen Anreisetag - so 5 bis 6 Stunden werden wir wohl brauchen.
6.5. - Anreise nach Quarta
Die ganze Nacht hat es geschüttet. Als wir am Morgen unser Auto beladen, erwischen wir gerade eine kleine Regenpause. Glück gehabt. Die Wettervorhersage meint, dass es ab Venedig besser werden sollte. Wir fahren relativ bald los, da die Anreise doch länger als gedacht ist. Der extreme Regen der letzten Tage hat doch einige Strassen unpassierbar gemacht und das Navi schlägt jetzt eine Route vor die rund 7 Stunden dauert. Anfangs regnet es noch stark, aber nach Venedig bessert sich das Wetter. Ab Ravenna kommt sogar die Sonne raus und bei der Fahrt hoch in die Berge empfängt uns an der Grenze zwischen der Emilia Romagna und der Toscana ein wunderbarar Ausblick. Kurz nach 16:00 kommen wir bei unserem Quartier an, genehmigen uns eine erfrischende Dusche und Ruhen uns ein wenig aus, bis es dann kurz vor 19:00 zum L'Orso Bruno in Arezzo zum Essen geht. Der Braunbär (Orso bruno) ist eine typische italienische Osteria - eine Gaststätte - in der es einfache Gerichte und Wein aus der Region gibt. Wir waren die ersten Gäste des heutigen Abends und entschieden uns für die gemischte Vorspeisenplatte, Tagliatelle mit Pilzen und eine Pizza. Ein Liter moussierender Weißwein und ein Liter Wasser begleiteten das Essen und um dem Magen zu schmeicheln gab es noch 2 extragroße Limoncelli. Als wir zahlten - nicht einmal 50 Euro - war der Laden gut gefüllt. Ich glaube, da müssen wir noch einmal hin, denn die haben einen Grillteller den man probiert haben muss!
7.5. - Arezzo
Ganz in der Nähe unseres Quartiers liegt die Stadt Arezzo, in welcher ca.100.000 Menschen leben. Arezzo wurde bereits in der voretruskischen Zeit gegründet, in einem Gebiet, das schon in prähistorischer Zeit besiedelt war. Im neunten Jahrhundert vor Christi gehörte Arezzo zu den bedeutendsten Städten der Etrusker. Ausgrabungen zeugen von dieser Zeit. Im dritten Jahrhundert vor Christi eroberten die Römer die Stadt. Die Stadt ist eine archäologische Fundgrube und Denkmäler und Sehenswürdigkeiten gibt es zu Hauf. Wir wandern einmal quer durch die Stadt mit ihren Kirchen und Plätzen, Herrenhäusern und Einkaufsstraßen. Zum Abschluss besuchen wir noch die Medici-Festung auf dem Hügel San Donato, von welcher man einen schönen Rundumblick hat, sowohl über die Stadt als auch übern den großen städtischen Friedhof, welchen wir auch noch kurz besuchen. Bei der Rückfahrt reservieren wir beim Braunbären für heute Abend noch einen Tisch. Da das Wetter leider den ganzen Tag sehr durchwachsen ist und es immer wieder regnet, verzichten wir auf die geplante kleine Flusswanderung. Wir werden im Lauf der nächsten Tage noch genug Möglichkeit zum wandern haben.
8.5. - Castiglion Fiorentino und Cortona
Leider entspricht das Wetter noch immer nicht unseren Vorstellungen. Also machen wir uns auf den Weg, um zwei weitere Orte zu erkunden.
Castiglion Fiorentino hat ca. 13.000 Einwohner, welche ihren Ort sehr pflegen und zu einem kleinen Schmuckkästchen machen. Neben den gepflegten Bürgerhäusern findet man zahlreiche Kirchen und das Leben verläuft eher ruhig. Einen Parkplatz zu finden ist kein Problem und Menschenmassen auf den Gassen der Stadt gibt es nicht. Die Gassen sind teils sehr steil und eng und viele sind für den Verkehr gesperrt. Von den Vasari-Logen hat man einen schönen Blick auf die Umgebung und die Stiftskirche Santi Michele e Giuliano.
Cortona hingegen ist das genaue Gegenteil von Castiglion Fiorentino. Es ist mit gut 20.000 Einwohnern deutlich größer und der Verkehr ist hier ein echtes Problem. Es gibt zwar viele Parkmöglichkeiten, aber es gibt noch mehr Autos. Der Tourist weiß nicht, dass ganz oben bei der Basilica di Santa Margherita ein riesiger Parkplatz ist. Hier muss man nicht wie unten ewig warten bis ein Parkplatz frei wird, hier gibt es immer einen freien Platz. Allerdings muss man von hier oben erst mal 150 Meter nach unten gehen, bis man im Ortszentrum ist. Auf der Via Nazionale - quasi der Getreidegasse von Cortona - gibt es unzählige Geschäfte und Lokale für den gut betuchten Touristen. Hier ist von Ruhe keine Rede mehr. Selbst heute sind ganze Busladungen unterwegs und drängen sich bei den wenigen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Morgen geht es weiter zum nächsten Quartier - hoffentlich bei besserem Wetter.
9.5. - Anreise nach Monte del Lago
Unsere Anreise zum nächsten Quartier ist relativ kurz. Deshalb haben wir ein paar Besichtigungen eingeplant, damit wir nicht zu früh bei unserem neuen Gastgeber einfallen. Als erstes steht die kleine Gemeinde Luciano auf unserer Liste. Der Ort liegt wie die meisten Orte hier hoch oben auf einem Hügel und eine meterdicke Stadtmauer schützte in früheren Zeiten die Bewohner vor den Aggressoren. Neben der Festung die jedes dieser Dörfer ziert gehören viele Kirchen zum Ortsbild. Leider ist die Kirche zum heiligen Franziskus in Luciano in einem bedauernswerten Zustand. Die alten Fresken aus dem 14. und 15. Jahrhundert müssten dringend restauriert werden. Es macht mich traurig zu sehen, wie unwiederbringbare Kulturgüter dem Verfall preisgegeben werden. Als nächtes statten wir Foiano della Chiana einen Besuch ab. Danach geht es weiter zur Abbazia di Farneta die außer einem schönen Kirchenfenster nichts Besonderes aufzuweisen hat. Unser nächster Stopp hat den hochtrabenden Namen "Chiesa dei Santi Cristoforo ed Emiliano di Montecchio", ist aber nur eine dem Verfall preisgegebene kleine Kirche, die jedoch in einer landschaftlich sehr reizvollen Kulisse steht. Wir fahren zum Lago Trasinemo, dem viertgrößten See Italiens. In Campo del Sole war der ganze Parkplatz weiß wie wenn es geschneit hätte. Dabei sind es nur die Blüten der Pappel, die der Landschaft einen winterlichen Anstrich verleihen. Zu guter Letzt machen wir noch einen Stopp in Passignano Sul Trasimeno bevor wir unser Quartier in Monte del Lago beziehen.
10.5. - Foligno und Perugia
Heute widmen wir uns den 2 größten Städten der Provinz Umbrien. Diese sind Foligno (55.000 Einwohner) und Perugia (170.000 Einwohner).
Fangen wir mit Foligno an.
Es ist Markttag und auf dem sehr großen kostenfreien Parkplatz ist alles voll. Na das fängt ja gut an. Also machen wir uns auf zum kostenpflichtigen Parkplatz und am Weg dorthin haben wir Glück und finden einen Gratis Platz. Foligno liegt an der alten römischen Via Flaminia sowie am Ufer des Flusses Topino und war schon immer einer der wichtigsten Handelsorte im südlichen Umbrien sowie ein zentraler Verkehrsknotenpunkt im Straßen- und Eisenbahnnetz. Foligno verfügt sogar über einen Flughafen. Wir schlendern durch die Altstadt die sehr hübsch und übersichtlich ist. Wie alle Städte gibt es jede Menge Kirchen, eine prächtiger als die andere. Heute scheint irgendein Fest gefeiert zu werden. Es sind viele Leute unterwegs und am Hauptplatz gibt es viel Unterhaltung für die Kinder, wie z.B. der Pasta Wettbewerb. Wir schlendern ca. 1 Stunde durch die Stadt und machen uns dann auf den Weg nach Perugia.
Auch Perugia hat eine lange zurückliegende Vergangenheit. Archäologische Funde belegen, dass das Gebiet des heutigen Perugia, dessen antiker lateinischer Name Perusia lautete, bereits zur Zeit der frühen eisenzeitlichen Villanovakultur im 9. und 8. Jahrhundert v. Chr. besiedelt war. Ca. 300 v.Chr. belagerten die Etrusker die mit Rom verbündete Stadt. Es würde Seiten füllen, die Geschichte der Stadt zu erzählen. Was in Perugia heute die zahlreich vorhandenen Touristen interessant, sind die monumentalen Bauwerke der vergangenen Jahrhunderte. Und davon gibt es reichlich. Allerdings, und das ist dann doch eher unüblich für Italien, sind viele Kirchen für den Touristen geschlossen bzw. kostet der Eintritt Geld. Aber angesichts der zahlreich anwesenden Touristen ist das auch zu verstehen. Ich habe mich für Perugia sehr gut vorbereitet und einen detaillierten Plan ausgearbeitet. Anfangs funktioniert das ganz gut, aber das GPS gestützte System kommt angesichts der engen Gassen und steilen Häuserfronten an seine Grenzen, bzw. darüber hinaus. Plötzlich verlieren wir in dem Gewirr von Gassen und Häusern den Überblick und es fängt auch noch zu regnen an. Eine Gasse gleicht der anderen und die Orientierung ist dahin. Das GPS zeigt nur noch an ob wir uns dem Parkplatz nähern oder weiter entfernen. Endlich bekommen wir wieder ordentliche Signale vom Satelliten und finden zurück zu unserem Auto. Der Heimweg ist ebenfalls recht kniffelig, da das Verkehrsaufkommen enorm ist und nicht alle neuen Kreisverkehre vom GPS erkannt werden. Aber last, not least, kommen wir wohlbehalten bei unserem Quartier am See an. Am Abend gehen wir auf eine Pizza ins dazugehörende Restaurant und sind absolut baff. Die hier, die können Pizza! Mein lieber Freund, so eine gute Pizza haben wir noch nie gegessen, krosser Rand, erstklassige Produkte für den Belag und das Ganze für 8 Euro. Da könnte sich die Mondseer Pizzamafia einmal eine dicke Scheibe abschneiden.
11.5. - Lago Trasimeno
Den heutigen Tag widmen wir zur Gänze dem Lago Trasimeno und seinem Umfeld. Zunächst aber ein paar Bilder von unserem Quartier. Die erste Sehenswürdigkeit auf unserer Rundfahrt – grad mal einen Kilometer von unserem Quartier entfernt – ist das Castello di Zocco. Das 1274 erbaute Castello Zocco war zusammen mit der Rocca del Leone in Castiglione del Lago die wichtigste Militärsiedlung am Trasimenischen See. Leider wurde das Castello Zocco dem Verfall preisgegeben. Zu Castiglione del Lago später mehr. Nach der Besichtigung der Ruine setzen wir die Fahrt fort nach Sant’Arcangelo, wo ein Steg weit in den See hineinragt. Als nächstes folgt Belvedere del Lago – ein wirklich schöner, erhöhter Aussichtspunkt. Nächste Station ist Castiglione del Lago eine umfriedete kleine Ortschaft direkt am See. Hauptattraktionen sind die Chiesa di San Domencio von 1683, der Palazzo della Corgna sowie die Festungsanlage Rocca del Leone – beide im Jahr 1274 errichtet. Der mit prächtigen Wandmalereien versehene Palazzo ist über einen 190 Meter langen überdachten schmalen Gang mit der eigentlichen Befestigungsanlage verbunden. Alles zusammen sehr imposant. Unser letzter und uns bereits bekannter Stopp ist Macerone mit dem weit in den See ragenden Fähranleger. Die Wolkenstimmung ist schaurig schön und entlädt sich jetzt gerade wo ich diese Zeilen schreibe in einem starken Gewitter.
12.5. - Assisi
Zu aller erst die Rechnung unseres gestrigen Abendessens. Absolut erstklassige Pizzen und ebenso guter Wein um 27 Euro. Warum muss ich für mindere Qualität in Mondsee das Doppelte zahlen?
Jetzt aber zum Wesentlichen. Wer hat nicht schon einmal vom Franz von Assisi (1181 - 1226) und von der heiligen Chiara (1194 - 1253) gehört? Den heutigen Tag widmen wir diesen beiden herausragenden Persönlichkeiten der katholischen Kirche des Mittelalters. Franz und Klara waren kein Liebespaar, aber im Geist und Handeln eng verbunden. Franz legte auf Empfehlung Klaras all seine Besitztümer zu Gunsten von armen und kranken Personen ab, Klara tat dies bereits vor ihm. Sie lebten den reinen katholischen Glauben - nicht jenen der damaligen katholischen Obrigkeit. Auf ihren Wegen trafen sie viele Gleichgesinnte und so gründete Klara den Orden der Klarissinen, Franz jenen der Franziskaner. Assisi liegt auf einem großen Hügel in Umbrien und einen großen Teil der Stadt nehmen Klöster, Kirchen, Basiliken und Dome ein. Täglich besuchen zehntausende Pilger und Touristen den Ort, vor allem aber die riesige Basilica San Francesco. Wer unter Platzangst leidet sollte die Basilika nicht besuchen. Sie ist zwar riesig, aber die abertausenden Menschen die sich durch die diversen Gänge und Kirchenschiffe drängen sind schwindelerregend. Abseits der Basilika ist auch viel los, aber manche Kirchen hat man fast für sich allein. Der Kunstinteressierte findet hier alles: Prunk und Protz in Reinkultur und Minimalismus wie ihn Franz und Klara vorgelebt haben. In der 10. Bildreihe sieht man Franciscus de Assisio und Chiara di Offreduccio.
Den absoluten Protzbau findet man allerding 4 km abseits von Assisi im Ortsteil Santa Maria degli Angeli. Im Jahr 576 wurde hier von den Benediktienern eine kleine Kapelle errichtet. Diese Kapelle wurde im 12. Jahrhundert von Franz von Assisi restauriert. Im Jahr 1216 hatte Franziskus eine Vision, in der Jesus ihm sagte, dass jedem, der die Kirche besuchte, ordnungsgemäß beichtete und die Kommunion empfing, Vergebung seiner Sünden gewährt würde. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ließ Papst Pius V. nach einem Entwurf von Galeazzo Alessi eine mächtige Basilika errichten, die als Schutzraum für die kleine Kapelle dienen sollte, die inzwischen zu einem beliebten Pilgerziel geworden war. So steht die kleine Kapelle heute anstelle eines Altars in der riesigen Basilika.
13.5. - Anreise nach Abbadia San Salvatore
Heute fahren wir nach Westen und siehe da, schon sind wir wieder in der Toskana. Unser erster Zwischenstopp ist Montepulciano - allen Rotweinliebhabern bestens bekannt. Wir fahren den Berg hoch und schauen uns im Ort ein bisschen um. Von hier oben hat man eine gute Sicht auf die unten liegende Kirche San Biagio, der wir später noch einen Besuch abstatten wollen. Nach der Ortsbesichtigung fahren wir runter zur Kirche und die wollen doch tatsächlich eine Eintrittsgebühr. Die Heiligtümer Assisis sind kostenlos zu besichtigen und hier soll man bezahlen? Nein, da machen wir nicht mit. Wir fahren weiter zu der kleinen Gemeinde Monticchiello, in welcher wir uns nur kurz aufhalten. Der nächste Stopp sollte Pienza sein, aber dunkle Wolken halten uns kurz vor dem Ort ab ihn zu besuchen. Schnell ein Foto und schon geht es weiter nach Abbadia San Salvatore. Die Toscana zeigt hier wie prächtig sie ist. Dass Abbadia San Salvatore auf gut 700 m Seehöhe liegt war mir nicht bekannt. Wir checken ein und dieses Mal gefällt uns die Unterkunft nicht. Kleines Zimmer und das im zweiten Stock ohne Lift. Wir warten darauf, dass der Wirt um 17:30 wie im Internet beschrieben aufsperrt. Bereit zum Gehen, fängt es plötzlich an zu schütten. Wir nutzen ein kleines Regenloch und gehen die 100 Meter in Richtung Wirt. Als es erneut stark regnet gesellt sich auch noch leichter Hagel hinzu - einfach grauslich. Als der Hagel/Regen etwas nachlässt gehen wir zum Wirt der uns mitteilt, dass der Laden zwar offen ist, aber Essen gibt es erst um 19:00.
14.5. - Dies und das
Unsere Gastgeberin hat uns heute beim Frühstück mit Informationen geradezu überschüttet. Also adaptieren wir unseren heutige Plan und machen uns zu aller erst auf zu dem Symbolbild für die Toskana, der Zypressen Allee in der Nähe von Castiglione d’Orcia. Weiter geht es zum Bagno Vignoni, einer heißen Thermalquelle, die bereits vor mehr als 3000 Jahren von den Etruskern genutzt wurde. Im kleinen Teich der unterhalb der Sinterfelsen liegt kann man baden gehen. Wir verzichten darauf, machen eine kleine Wanderung durch die üppige Natur und fahren weiter nach San Quirico d’Orcia. Ein kleiner Rundgang durch den Ort, der eigentlich ausschließlich aus der alten, von der Stadtmauer umgebenen Città vecchia besteht, ist Pflicht. Unser vorletztes Ziel für heute ist das Bagni San Filippo. Es handelt sich um einen kleinen Thermalort mit schwefelhaltigem Wasser, der jedoch durch das Vorhandensein von Kalkablagerungen charakterisiert ist, die weiße Konkretionen aus Kalziumkarbonat und Wasserfälle bilden. Der Name leitet sich von der kleinen Kirche in der Stadt ab, die San Filippo Benizi geweiht ist. Es wird gesagt, dass der Heilige hier im Jahr 1269 Halt machte. Warum dieser Ort von so vielen Leuten besucht wird erschließt sich uns nicht. Es stinkt, der Weg zu den Kalkablagerungen und Wasserbecken ist schlecht und wegen der vielen Leute problematisch zu gehen und es ist alles beschmiert und verdreckt. Nach 20 Minuten haben wir genug gesehen und fahren wieder heim. Unser letztes Ziel für heute wird das Ristorante Galleria Centrale sein, wo wir heute Abend essen werden.
15.5. - Radicofani, San Casciano dei Bagni, Fortezza di Radicofani, Città de la Pieve
Die kleine Gemeinde Radicofani mit grad mal 1000 Einwohnern ist ein überschaubarer historischer Ort der mit ein paar Besonderheiten aufwartet. So sind praktisch alle Häuser aneinander gebaut und die Breite einer Wohnung beträgt teilweise nur ca. 2 Meter. In welchem Gebäude sich die Bäckerei befindet entnimmt man dem kleinen Schild "Panini". Der Ort ist aber besser bekannt wegen seiner kolossalen Festung. Im Inneren befindet sich ein kleines Museum und ganz oben vom Turm hat man einen grandiosen Rundumblick. Wir fahren weiter zur Fontana Medicea (Medici) welche hier 1603 errichtet wurde um die Pferde der Postkutschen und die Reisenden mit Trinkwasser zu versorgen. Nächster Halt ist der kleine Ort San Casciano dei Bagni, der uns ebenso wie Radicofani schöne Ausblicke in die Umgebung gewährt. Zum späten Mittagessen haben wir ganz in der Nähe des Ortes Città de la Pieve ein kleines Restaurant gefunden das ausschließlich von Einheimischen besucht wird. Wenn wir schon mal da sind schauen wir uns auch noch den Ort an, der eigentlich keine wirklichen Sehenswürdigkeiten sein Eigen nennt. So belassen wir es bei einem Besuch der Kirche und des Kaffeehauses. Ein Cappuccino und ein süßes Teil gehen immer.
16.5. - Wanderung bei Santa Fiora und Abbadia San Salvatore
In der Nacht kam starker Wind auf und die Luft kühlte auf gerade mal 10 Grad ab. Dafür sind die bedrohlichen Regenwolken von gestern verblasen worden. Wir machen heute unsere erste kleine Wanderung in der Natur. In Städten und Dörfern sind wir ja schon genügend herumgelaufen. Unser heutiges Ziel ist Santa Fiora, ein kleines Dorf mit ca. 2.500 Einwohnern. Hier gibt es einen netten Wanderpfad den Berg hinauf und natürlich auch wieder herunter. Mit Wanderern hat hier wohl noch keiner gerechnet, zumindest liegen die Bäume noch kreuz und quer über dem Wanderweg. Wir sind hier auf rund 800 Meter Seehöhe und der Frühling setzt gerade mit voller Wucht ein. Im Wald ist vom starken Wind kaum etwas zu verspüren und so geht es für knapp 2 Stunden durch die Natur. Da wir schon mal hier sind in Santa Fiora und es uns auch verdient haben, gehen wir im Ort zum Ristorante Il Barilotto. Gut versteckt - ganz hinten in einer engen Gasse liegend - ist es gut geschützt vor den Touristenmassen, die es hier aber sowieso nicht gibt. Bekannt ist Il Barilotto für seine Pasta Gerichte und von denen gibt eine ganze Menge. Zur Vorspeise nehmen wir einen gemischten Antipasti Teller und danach die köstlichen Nudelgerichte. Ich probiere heute mal die Tortelli di Castagne al Ragù di Cinghiale (gefüllte Teigtaschen aus Maronenmehl mit Wildschweinragout) und für Gerti gibt es Pici alla Carrettiera picante (lange dicke Spaghetti mit scharfer Tomatensauce). Als Nachtisch ein Tiramisù zum niederknien. Ja, so schmeckt Italien und so darf es gerne weitergehen. Wir fahren zurück ins Quartier und ich gehe alleine noch eine Runde durch unseren Ort. Die Altstadt bietet im Vergleich zu anderen Orten sehr wenig. Dunkle menschenleere Gassen dominieren das Ortsbild und einziger Lichtblick ist die Kirche San Leonardo.
17.5. - Anreise nach Narni
Nach einer letzten Nacht in dem fürchterlichen B&B Il Biancospino machen wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Quartier in Narni. Am Weg dorthin kommen wir zunächst beim kleinen Weiler Torre Alfina vorbei, welcher sich im Latium befindet und von seiner stattlichen Burg überragt wird. Am Weg dorthin fällt uns ein sehr obskures Dach auf, hier muss wohl ein Spaßvogel wohnen. Wir fahren weiter nach Orvieto in Umbrien. Der Ort wurde auf einem massiven Tuffplateau errichtet und war dank der senkrecht abfallenden Felswände sehr gut gegen Angriffe gewappnet. Das alles dominierende Bauwerk ist die einzigartig Kathedrale. Ein Bauwerk, das seinesgleichen sucht - einfach einzigartig. Am Weg zu unserem nächsten Wegpunkt Todi passiert wenige Autos vor uns ein schwerer Unfall mit einem Motorradfahrer. Vor einem Baustellenbereich mit Ampelregelung möchte ein Motorradfahrer offensichtlich die wartenden Autos überholen und touchiert mit einem ihm entgegenkommenden Wohnmobil. Es dauert eine ganze Zeit bis endlich die Rettung eintrifft und den wohl sehr schwer verletzten Fahrer bergen kann. Kurz danach trifft die Polizei ein und nimmt den Unfall auf. Wir verlieren so ca. ein dreiviertel Stunde, was aber nichts macht, da wir heute Morgen sehr früh losgefahren sind. Also auf nach Todi, doch hier spielt uns das Navy einen Streich. Statt zu einem Parkplatzt lotst es uns mitten hinein in die Altstadt und wir machen eine Besichtigung vom Auto aus. Klingt lustig, ist es aber nicht. Die Altstadt ist unglaublich eng und wir sind froh als wir wieder draußen sind. Auf dem Weg zu unserem finalen Ziel Narni ist plötzliche die Straße wegen Bauarbeiten gesperrt. Es dauert eine ganze Weile bis wir einen Umweg ausfindig machen, der uns letztlich zu unserem Quartier bringt. Schnell einchecken und nichts wie ab zum Lu Somaru, einem erstklassigen Wirtshaus in Terni. Den Wirt gibt es bereits seit vielen Jahrzenten und er ist das kulinarische Zentrum von Terni. Wir schlemmen umbrische Vorspeisen, Gnocchi mit Wildschein und Pasta mit Speck, umbrischen Pino Grigio und das Tiramisu darf natürlich auch nicht fehlen.
Das Wetter bei uns ist leider nicht ganz so großartig. Mal scheint die Sonne, mal herrschen die Wolken vor und es weht ein unangenehmer, kalter Wind. Das würfelt unser heutiges Programm mächtig durcheinander. Wir statten unserem Ort - den wir von unserem Schlafzimmer aus gut sehen können - einen kurzen Besuch ab. Von der Ferne (1.Bild) sieht Narni hübscher aus als es ist. Geplant wäre noch eine kleine Wanderung zum Rocca die Narni und ein Fotostopp bei der Ponte d’Augusto. Danach hätte ein Stadtrundgang in Terni folgen sollen. Aber das fällt alles flach, da der Regen uns einen Strich durch die Rechnung macht. Als Alternativprogramm schauen wir uns den Formal 1 Grand Prix von Italien in Imola im TV an, gefolgt vom Tennisfinale in Rom. Für morgen wird gutes Wetter vorhergesagt.
19.5. - Cascate delle Marmore
Der Marmore Wasserfall ist der höchste künstliche Wasserfall Europas und einer der höchsten der Welt. Er weist eine Höhe von 165 Metern auf und wird von den Flüssen Velino und Nera gespeist. Über von Menschenhand geschaffene Kanäle werden die Flüsse vereint und das so gesammelte Wasser dient in erster Linie zur Erzeugung von Strom. Nur ein Teil des Wassers wird zu dem Wasserfall umgeleitet. Manchmal mehr, manchmal weniger. Als wir ankamen waren die Fälle gerade mal ein besseres Rinnsal. Über unzählige Stufen - es sollen über 600 sein - geht es stets bergab bis man die Talsohle erreicht hat wo sich ein kleiner Teich mit zahllosen gelben Seerosen befindet. Und mitten unter dem gelben Seerosenteppich gibt es einzige weiße. Und die muss was ganz besonderes sein, wird sie doch gleich von 2 Fröschen bewacht. Im Teich tummeln sich auch jede Menge Fische, die wohl regelmäßig von den Besuchern gefüttert werden. Als wir den Rückweg antreten bemerken wir, dass der Wasserfall jetzt deutlich mehr Wasser führt. Also schnell noch mal zu dem Aussichtspunkt und ein paar Fotos gemacht. Ganz billig ist der Spaß nicht. Der Eintrittspreis beträgt 10 € pro Person plus 4 € fürs Parken - ganz schön happig für Null Leistung. Auf der anderen Seite des Tales, in Collestate Piano, gibt es das Ristaurante I Ribelli di Campagna. Naja, Ristaurante ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen, aber das Essen ist ordentlich und preiswert. Und man kann den Wasserfall auch von hier sehen - völlig kostenlos - allerdings nur vom Wirtshaus aus. Der kleine Ort hat alle Parkplätze kostenpflichtig gemacht und lebt sicher gut von den Einnahmen. Der PP vom Wirt ist gratis - aber so gut versteckt, dass den keiner findet. Nächster Stopp wäre Cesi. Als wir uns dem Ort nähern beschließen wir, diesen Stopp auszulassen und gleich weiter zu fahren zu den Ausgrabungen von Carsulae. Orte wie Cesi haben wir schon genügend gesehen und es ziehen bedrohliche Gewitterwolken auf. Als wir in Carsulae ankommen ist alles zu. Macht nichts, morgen ist auch noch ein Tag und da sind wir wieder ganz in der Nähe in San Gemini, ein Mitglied der schönsten Dörfer Italiens. Da werden wir Carsulae nochmals anfahren.
20.5. - es regnet
Wo ist der Sonnenschein von gestern? Der Himmel ist grau und Regen kündigt sich an. Wir versuchen das Beste aus dem heutigen Tag zu machen und fahren als erstes in das nahe gelegene Dorf San Gemini, das von sich behauptet, zu den schönsten Dörfern Italiens zu zählen. Nun, wie stellte Margaret Wolff Hungerford bereits 1887 in ihrem Buch "Molly Bawn" fest: "Schönheit liegt im Auge des Betrachters" und sie brachte damit einen unglaublich komplizierten, tief nuancierten Gedanken zum Ausdruck: die Idee, dass Schönheit subjektiv ist und mehreren Grundsätzen und Interpretationen unterliegt. Genau das trifft auch auf San Gemini zu. Wir bummeln ein wenig durch den Ort, gehen hoch zur Stadtmauer und besuchen die Kirche - alles unter dem Aspekt auf der Suche nach der Schönheit. Wahrscheinlich sind wir Banausen - wir erkennen sie einfach nicht. Zweites Ziel des heutigen Tages ist Carsulae, das uns gestern verwehrt blieb. Eine Besichtigung dieser archäologischen Stätte ist aber ein absolutes MUSS - zudem auch eine Freundin und treue Leserin meines Blogs so sehr auf alte Steine steht. Bis ca 300 v.Chr. war die Gegend von den Etruskern bewohnt. Danach errichteten die Römer die Stadt Carsulae, welche im 5. oder 6. Jahrhundert n.Chr. aufgegeben wurde. Grund dürfte einerseits ein starkes Erdbeben gewesen sein, als auch das Fehlen einer Stadtmauer, wodurch die Stadt Plünderungen und Überfällen ausgesetzt war. Interessant ist die Kirche der Heiligen Cosma und Damiano, die auf den alten Fundamenten einer Kirche aus dem 2 Jahrhundert ruht. Die Kirche als auch das große Bogen-Tor, sind die einzigen beiden Gebäude, die bis zur heutigen Zeit sichtbar blieben. Ein Besuch des angeschlossenen Museums präsentiert uns unter anderem eine Büste von Gaius Juliu Caesar. Unser letztes Ziel dieser Region Italiens, die Stadt Spoleto, können wir leider wegen des aufkommenden, stärker werdenden Regens nicht besuchen. Morgen geht es weiter auf die östliche Seite des Apennin.
21.5. - Anreise nach Norcia
Gestern Abend, so gegen 21 Uhr, ging bei uns ein Platzregen hernieder wie ich ihn noch nie erlebt habe. Ohne jede Vorwarnung fing es an zu schütten. Der ganze Spuk dauerte ca. 5 Minuten, dann war es wieder totenstill. Heute ist es immer noch stark bewölkt und ab und zu regnet es leicht. Zunächst besuchen wir die Ponte d'Augusto hier in Narni. Die Brücke überspannte die Nera, deren Ufer von sattem Grün gesäumt sind. Im Zuge von Umbauarbeiten an der Via Flaminia im Jahr 27 v. Chr., wurde dieses für seine Zeit außerordentliche Bauwerk errichtet. Die Brücke hatte eine Länge von 160 Meter, eine Höhe von 32 Meter und eine Fahrbahnbreite von 8 Meter. Die Brücke wurde über 1000 Jahre lang genutzt, bis sie im Jahr 1055 einstürzte. Heute sind nur mehr ein Brückenbogen und riesige Trümmer zu bewundern. Auf dem Weg nach Norcia hätten wir zwei weitere Aktivitäten eingeplant - eine Wanderung auf den Rocca di Piediluco mit schöner Aussicht auf den Lago Piediluco und die Besichtigung von Cerreto di Spoleto - aber das Wetter ließ das nicht zu. So fuhren wir über Nebenstraßen direkt nach Norcia zu unserem Quartier. Cerreto di Spoleto werden wir vielleicht in den kommenden Tagen noch nachholen. Unsere Unterkunft - Agriturismo Casale nel Parco - liegt ein klein wenig außerhalb von Norcia und ist unser Stützpunkt für die Monti Sibbilini. So es das Wetter zulässt werden wir morgen diese Gebirgskette erkunden. Aber zuvor müssen wir noch das hochgelobte Restaurant hier testen.
22.5. - Monti Sibillini NP
Zunächste ein kurzer Rückblick auf das gestrige Abendessen. Die guten Kritiken bestehen zu Recht!
Nach einem guten Frühstück machen wir uns heute bei brauchbarem Wetter auf die große Rundreise kreuz und quer durch das Gebiet der Monti Sibellini. Die Sibillinischen Berge verdanken ihren Namen der Legende von der Apennin-Sibylle, die in einer Höhle direkt unterhalb des Gipfels lebte. Diese Figur, die oft als Sibylle, Zauberin oder Fee beschrieben wird, soll die Zukunft voraussagen können und über magische Kräfte verfügen. Ihre Präsenz und die Geschichten, die sie umgeben, haben dazu beigetragen, die Aura des Mysteriums und der Legende zu schaffen, die die Sibillinischen Berge charakterisiert. Wir fahren zunächst von unserem Quartier hoch auf ca. 1600 Meter und erreichen ein riesiges Hochplateau. Eigentlich sollte hier zu dieser Jahreszeit ein einziges Blütenmeer den Besucher überwältigen - zurzeit beginnen aber erst die kleinen gelben Blüten sich vom satten Grün abzuheben. Am Straßenrand geht es schon ein bisschen bunter zu. Den Bovisten, teils faustgroß, scheint das kühle Wetter nichts anzuhaben. In den Bergen liegt noch Schnee und ein starker kalter Wind hindert uns an einer geplanten Wanderung. Wir entscheiden uns zwei Punkte auszulassen und fahren weiter zum Lago di Fiastra. Der Stausee wurde 1954 fertiggestellt und wird vom Fluss Fiastrone und kleinen Nebenflüssen gespeist. An der, den See überspannenden Brücke, liegt der kleine Ort San Lorenzo al Lego, bei dem jeder zur Verfügung stehende Parkplatz gebührenpflichtig ist. Wir hätten hier gerne eine Kleinigkeit gegessen, aber das es weder ein Lokal gibt und auch keinen kostenlosen Parkplatz fahren wir weiter bis zum kleinen Ort Cupi, wo wir ein kleines Ristaurante entdecken, das auch am Nachmittag Speisen anbietet. Nichts wie rein und das Angebotene entspricht voll unseren Wünschen. Nach dem Essen gehen wir noch ein paar Meter die Straße entlang und sehen noch viele schwerbeschädigte Häuser des schweren Erdbebens von 2016. Im Ort Visso sieht es ebenso dramatisch aus. Und auch im kleinen Ort Castelluccio bietet sich uns dasselbe Bild.
23.5. - Monteleone di Spoleto und Cascia
Das Wetter ist durchwachsen. Etwas Regen, etwas Sonne, viel grauer Himmel - für Ortsbeichtigungen brauchbar. Zunächst fahren wir nach Monteleone di Spoleto, eine kleine Gemeinde mit grad mal ca. 500 Einwohnern. Vor dem Erbeben war der Ort Anziehungspunkt für viele Touristen, gibt es hier doch auf kleinstem Raum vier alte Kirchen, das Teatro Comunale Carlo Innocenzi und den Palazzo Congiunti zu besichtigen. Besichtigungen sind momentan bestenfalls von außen möglich, da immer noch an der Behebung der Schäden gearbeitet wird.
Auf der Rückfahrt besuchen wir Cascia. Da es gerade Mittagszeit ist, gehen wir zuerst in das hochgelobte Ristorante Tipico in der Altstadt. Also wer die super Bewertungen für diesen Laden ins Internet geschrieben hat war entweder völlig besoffen oder litt an Geschmacksverlust. Mit Abstand das schlechteste Essen, dass wir je in Italien vorgesetzt bekommen haben. Wir machen uns auf den Ort zu erkunden, der immerhin die sterblichen Überreste der heiligen Rita in der Basilica e Santuario di Santa Rita beherbergt. Zunächst möchte ich mir jedoch die Chiesa di San Francesco ansehen - ich mag den Franziskus einfach - doch auch hier sind die Tore wegen der im Inneren stattfindenden Reparaturarbeiten nach dem Erbeben geschlossen. Also gehen wir hoch zur heiligen Rita und wir sind entsetzt, wir kitschig die Kirche im Inneren gestaltet wurde. Wahrscheinlich sind beim Erdbeben die Fresken und Gemälde zerstört worden und wahrscheinlich wurde eine Neugestaltung in Auftrag gegeben. Im 13. Jahrhundert hätte niemand eine Kirche so krass verschandelt. Auch das Santuario Madonna della Corona ist einer heiligen Rita unwürdig. Als junge Frau wollte Margherita Lotti bei den Augustinerinnen eintreten, wurde aber gegen ihren Willen verheiratet. Nachdem ihr gewalttätiger Gatte ermordet wurde und ihre beiden Söhne an der Pest gestorben waren, konnte sie, ihrem ursprünglichen Wunsch folgend, in das Kloster der Augustinerinnen in Cascia eintreten, wo sie ein Leben in strengster Entsagung und Buße führte. Später traten bei ihr die Wunden der Dornenkrone als Stigmata auf. Ritas nicht verwester Leichnam ruht in der Basilica in Cascia. Rita wurde im Jahr 1628 von Papst Urban VIII. selig- und im Jahr 1900 von Papst Leo XIII. heiliggesprochen. Ihr Gedenktag ist der 22. Mai. Zum Schluss schauen wir uns noch die mannshohe Krippe an, welche zu Ehren des Heiligen Jahres 2025 hier errichtet wurde.
24.5. - Norcia
Die Sonne scheint und das müssen wir ausnützen. Gleich nach dem Frühstück fahren wir nach Norcia und wollen die Altstadt erkunden. Das heißt, was nach dem Erbeben davon noch übrig geblieben ist. Wir parken direkt bei der Polizei, die - so wie viele andere Menschen auch - noch immer in Notquartieren untergebracht sind. Im Herzen des Nationalparks der Sibillinischen Berge gelegen, ist die Stadt das antike Zentrum, das von den Sabinern gegründet wurde. Damals trug die Stadt den Namen Northia, die etruskische Göttin des Schicksals und des Glücks. Die wohl berühmtesten Kinder der Stadt sind Benedikt und seine Zwillingsschwester Scholastika, geboren 480 n. Chr. Benedikt, besser bekannt als der heilige Benedikt von Nurcia, war Einsiedler, Abt und gründete den Orden der Benediktiner. Die heilige Scholastika von Nurcia wird als erste Benediktinerin betrachtet. Es ist jedoch nicht bekannt ob sie in klösterlicher Gemeinschaft lebte oder allein als geweihte Jungfrau. Fakt ist - und das ist sehr schade - dass alle Kirchen in Norcia wegen der Restaurierungsarbeiten geschlossen sind. Ich hätte sie mir gerne angesehen. So bleibt uns nichts anderes übrig, als den schnöden Begehrlichkeiten nachzugehen, wie z.B. die Einkaufsstraße entlang zu flanieren oder beim Feinkosthändler vorbei zu schauen. Norcia ist das Zentrum der Trüffel und des Wildschweins - beides sehr köstliche und auch nicht ganz billige Produkte.
Wenn wir schon einmal das Glück haben, dass das Wetter gut ist, müssen wir natürlich die Umgebung auch erwandern. Ein letzter Blick zurück auf die geschundene Basilika und volle Konzentration auf die Natur. Das weite Tal in dem Norcia liegt wird komplett umrandet von den grünen Hügeln und Bergen Umbriens. Aber was soll ich viel sagen, die Bilder sollten für sich sprechen.
Und weil wir heute so brav gewandert sind gibt es am Abend ein großartiges Abendessen.
25.5. - Anreise nach Isernia
Wie sagt man immer: "Alle Wege führen nach Rom". Genau das könnte man auch für unsere heutige Fahrt nach Isernia sagen. Naja fast, denn es sind nur deren 3, die aber unterschiedlicher nicht sein könnten. Der über die Autobahn führt schnurstracks an die Adria, dann die Küste runter und dann wieder landeinwärts nach Isernia. Der abenteuerlichste Weg verläuft teilweise über den Nationalpark Gran Sasso auf der, der Adria zugewandten Ostseite des Appenin. Wir wählen die gemütliche Route, die durch die Mitte Italiens verläuft und bei der die teils extremen Berg- und Talfahrten wegfallen, da es teilweise durch Tunnel geht. Summa sumarum sind es rund 250 Kilometer durch eine unbeschreibliche Landschaft. Wir haben Wetterglück und fahren von Norcia nach Pizzoli, weiter nach L'Aquila und immer der SS17 folgend nach Isernia. Die Route verläuft durch alle NP der zentralen Abruzzen mit ihren mächtigen Gebirgsketten, über die Hochplateaus und durch Täler zwischen den östlichen und westlichen Abruzzen. Es wäre ein Frevel gewesen, wenn wir diese Fahrt nicht gemacht hätten. Bären haben wir leider nicht zu Gesicht bekommen, aber es leben jede Menge hier in den endlosen Wäldern.
26.5. - Erholungstag
Nachdem wir gestern doch eine recht anspruchsvolle Anreise durch die Provinzen Umbrien, Marken, Latium, Abruzzen nach Molise hatten, gestatten wir uns heute einmal einen Ruhetag. Naja, so ganz ruhig wollen wir es auch nicht und deshalb machen wir eine kleine Erkundungsfahrt westlich von Isernia. Als erstes fahren wir zu einem Wirtshaus in der Nähe und checken, bis wann es hier Mittagessen gibt. Danach besuchen wir die Orte Colli a Volturno und Fonelli. Danach geht es zum Lago de Castel San Vincenzo, wo wir eine ausgedehnte Wanderung am See unternehmen. Der See, die Berge, die Natur und die Stille sind grandios. Nach gut 1 ½ Stunden Wanderung meldet sich der kleine Hunger und wir fahren zum Steakhouse, Pizzeria, Ristorante Novecento da Marco in Fragnete, 5 km von unserer Unterkunft entfernt. Der Laden ist auch eine Bar und somit von 7:00 Uhr bis spät geöffnet. Als wir gegen 14:00 Uhr ankommen sind wir die einzigen Gäste. Chef Marco ist gerade dabei eine neue Weinlieferung einzuräumen, widmet sich uns aber umgehend. Es gibt hier ein Mittagsmenü für 15 Euro, bestehend aus Coperto, Vorspeise und Hauptspeise. Da es keine Karte gibt erklärt uns Marco die Speisen. Wir entscheiden uns bei der Vorspeise für die Tortellini mit Trüffel und als Hauptspeise für Angus Rind auf Mangold. Als Wein schlägt er einen Weißwein aus der Provinz Molise vor, den wir gerne akzeptieren. Der Wein ist köstlich, die Tortellini sind grandios und das Rind mit Mangold eine Geschmacksexplosion. Danach gibt es noch Knabbereien zum Wein und einen Limoncello vom Haus. Ganz ehrlich, wir sind hier in der tiefsten Provinz und bekommen für kleines Geld ein Essen wie vom Sternekoch. Wir sind begeistert und lassen dies Mauricio auch wissen, der ebenfalls begeistert ist, in uns so gute Gäste zu haben.
27.5. - Anreise nach San Salvo
Da wir heute jede Menge Zeit haben, fahren wir nicht auf direktem Weg zu unserem neuen Quartier, sondern nutzen ausschließlich die kleinen Nebenstraßen, die uns noch einmal durch die unglaubliche Natur führen. Zunächst besichtigen wir aber Isernia, dessen Altstadt wir ganz leicht von unserem Quartier aus zu Fuß erreichen. Über das Stadttor gelangen wir zunächst zur Kathedrale, es folgt die Fontana Fraterna und zum Abschluss noch die Chiesa della Conzecione. Im Gegensatz zu anderen Städten ist Isernia eher arm an Kulturdenkmälern. Nächster Stopp ist der kleine Ort Salcito, eines der unzähligen Dörfer hoch oben auf einem Hügel. Noch höher oben liegt Carunchio das von der Ferne recht malerisch aussieht, aber eigentlich wenig zu bieten hat. Von da sind es nur mehr ein paar Kilometer bis wir endlich die Berge hinter uns lassen und uns dem Meer nähern. Vom Quartier aus sind es grad mal 6 Kilometer bis zum Strand und zu unserem Abendessen.
Kurzer Nachtrag: Das Abendessen war großartig. Morgen ist Nudeltag.

28.5. - Spiaggia di Punta Aderci bei Vasto
Zunächst 2 Bilder von unserem Balkon aufgenommen. San Salvo selbst ist keine schöne Stadt, aber unser Quartier liegt etwas außerhalb im Grünen in absoluter Ruhelage. Heute steht eine Wanderung in der Nähe von Vasto auf dem Plan, nur wenige Kilometer nördlich von unserem Stützpunkt. Wir fahren zum Industriehafen von Vasto wo der Wanderweg beginnt. Es ist ein völlig naturbelassener Abschnitt der italienischen Adriaküste, wo die Natur noch Natur sein darf. Wir wandern gut 2 Stunden durch diese herrliche Lansdchaft. Aber Bilder sagen mehr als Worte.
29.5. - Termoli und was noch?
Wir haben den bereits zu Hause errichteten Plan etwas abgeändert, da uns die Fahrstrecken von A nach B und C usw. teilweise zu lang sind und das Ziel den Aufwand nicht rechtfertigt. Jetzt haben wir ein Luxusproblem - zu viel Zeit. Ich checke jeden Morgen, wie man die Zeit sinnvoll nutzen kann und versuche den Tag so angenehm und ausgefüllt wie möglich zu gestalten. Für heute steht als erster Anlaufpunkt die Stadt Termoli auf der "to-do-Liste". Wir fahren die knapp 30 km dorthin und stellen unser Auto auf einem großen Supermarktparkplatz außerhalb der Altstadt ab. In 20 Minuten sind wir im Altstadtviertel Borgo Vecchio und Schlendern entlang der Einkaufsstraße zum Castello Svevo, welches Friedrich II von Staufen 1240 errichten ließ. Von hier oben hat man einen schönen Ausblick auf den Piazza Castello und den Strand. Am Weg von dem Castello zur Kathedrale kommen wir an „A Rejecelle“ vorbei bzw. durch. Es handelt sich um die engste Gasse Italiens, mit einer maximalen Breite von nur 41 cm und eine Länge von knapp 8 Meter. Wir nehmen diese Hürde mit Bravour und gelangen so zur Kathedrale Mariä Reinigung, welche extrem schlicht gehalten ist. Wir erfreuen uns an den Ausblicken aufs Meer, wenngleich ein strammer Wind weht. Am Rückweg zu Parkplatz kommen wir noch einmal bei der Einkaufsstraße vorbei und Gerti ergattert eine luftige Sommerhose. Jetzt aber nichts wie raus aus der Stadt und weiter zum Porto Turistico Santa Cristina, wo wir eine kleine Wanderung unternehmen wollen. Als wir ankommen ist der Hafen geschlossen. Also weiter zum nächsten und letzten Stopp, dem Pineta di Torre Fantine, einem Landschaftsschutzgebiet, das man über einen Wanderweg von Marina di Chieuti aus erreicht. Wir parken und inspizieren Strand und Meer - sieht ganz ok aus. Als wir dann den Wanderweg gehen wollen sieht das alles ganz anders aus. Dreck wohin man sieht. Also genießen wir ein Viertelstündchen die Sonne und machen uns auf den Heimweg. Jetzt gilt es ein paar Stunden tot zu schlagen, bevor es zu unserem Wirt geht - heute wieder Pizza. Die Pasta gestern abend hat nicht ganz überzeugt.
30.5. - Monteodorisio, Strand und Petacciato
Als ich heute Früh aus dem Fester sah, entdeckte ich die schneebedeckten Berge des Nationalpark Majella, welcher ca. 50 km von uns entfernt ist. Die knapp 3000 Meter hohen Berge sind wegen des meist vorherrschenden Dunstes nur selten so gut zu sehen. Heute ist unser letzter Tag in San Salvo und bevor es morgen weiter geht zum nächsten Quartier haben wir noch ein paar Sachen abzuarbeiten. Zunächst nehmen wir den kleinen Ort Montedorioso in Angriff, wo wir beim Parkplatz neben der Kirche - so zwischen Tixi Klo und Baustelle - von Papst Paul VI freundlich empfangen werden. Wie in all den alten Orten geht es erst einmal steil nach oben. Wir kommen vorbei am alten Brunnen, Teilen der alten Befestigung, einem Graffiti a la Italia, bis wir schlussendlich den oberen Hauptplatz beim Gemeindeamt erreichen. Nächster Punkt ist das Schloss Monteodorsio, eine mittelalterliche Festung aus dem 11. Jahrhundert. Wieder zurück beim Parkplatz besuchen wir noch die Santuario della Madonna delle Grazie und fahren weiter zur Riserva Naturale Regionale Marina di Vasto. Hierbei handelt es sich um ein Küstenbiotop entlang des Strandes von Marina di Vasto. Man kann hier schön im Schatten der Bäume spazieren und jederzeit über unzählige Zugänge zum Meer gelangen. Nach ca. 1 1/2 Stunden Wanderung fahren wir weiter nach Petacciato, welches bekannt ist für seine Panoramalage, eine „Terrasse an der Adria“, die einen atemberaubenden Blick auf die Berge, das Meer und die Küste bietet.
31.5. - Anreise nach Silvi Alto
Heute geht es erstmals in Richtung Norden. Wir verlassen schweren Herzens unser Quartier in San Salvo und machen uns auf den Weg in Richtung Silvi Alto. Da wir jedoch wieder einmal 6 Stunden totschlagen müssen, gibt es ein paar Zwischenstopps. Zunächst fahren wir zu dem Cimitero militare Canadese di Ortona, dem kanadische Militärfriedhof von Ortona. Hier liegen die sterblichen Überreste von Soldaten des britischen Commonwealth, überwiegend Kanadier, die im Dezember 1943 während der Moro-River-Kampagne zur Überquerung des Moro-River und anschließend in der Schlacht von Ortona starben. Insgesamt liegen hier 1665 gefallenen Soldaten - ein Mahnmal und eine Gedenkstätte zugleich. Wenn wir schon mal in Ortona sind, dann schauen wir uns die Stadt auch an. Außer dem Castello und der Kathedrale des heiligen Paulus gibt es nichts Besonderen über Ortona zu berichten. Weiter geht die Fahrt nach Chieti im Inland, welches wirklich zu gefallen weiß. Die Prachtstraße mit ihrem Boden aus Marmor, monumentalen Gebäuden und prächtigen Palais. Der Ort gefällt uns so gut, dass wir viel länger als geplant hier verweilen. Jetzt aber nichts wie ab nach Silvi. Von Silvi Marina nach Silvi Alto gibt es eine Verbindungsstraße, die leider gesperrt ist. Ich fahre einfach so lange irgendeine Straße bergauf, bis das GPS einen neuen Weg berechnet hat. Und dieser Weg hat es in sich Es geht steil, sehr steil bergauf und manchmal mache ich mir Sorgen, dass es Gegenverkehr geben könnte. Aber letztendlich ist alles gut und wir können unser Quartier beziehen. Leider bei weitem nicht so toll wie jenes in San Salvo und leider hat das mit aller Sorgfalt recherchierte Lokal nicht offen, bzw. gibt es den Laden nicht mehr. Ok, wir finden einen anderen Wirt und beim Essen und Wein hellt sich die Stimmung wieder auf. Dass direkt vor unserem Haus heute Abend ein Country Musik Fest stattfindet war auch nicht geplant, ebenso wenig wie, dass das Internet hier leider sehr schwach ist. Also mache ich das Beste aus allem, schreibe meinen Bericht und lade mühsam die Fotos hoch.



