1.6. - Campli und Teramo
Heute will die Tour gut geplant sein. Der Strand ist heute (Sonntag) und morgen (Festa della Repubblica) tabu. Als wir gestern bei der Anreise kurz den Strand inspizieren wollten, konnten wir schon keinen Parkplatz mehr ergattern. Daher beschließen wir, heute 2 Städte im Hinterland anzusehen. Campli, Mitglied bei "I borghi più belli d’Italia" (die schönsten Dörfer Italiens) ist unser erstes Ziel. Dort ist gerade Wochenmarkt und die ganze Altstadt ist mit den Ständen der Händler verstopft. Von den historisch interessanten Bauten ist auch nichts zu sehen, da offenbar überall Generalsanierungen stattfinden. Ein hübsches Häuschen bekommen wir dann doch noch zu Gesicht, welches in gewisser Weise an den Tiroler Baustil erinnert. Mit den schönsten Dörfern Italiens haben wir bis jetzt keine guten Erfahrungen gemacht. Wenn wir schon einmal da sind nehmen wir zumindest die Möglichkeit wahr, im Ristorante Pizzeria Tunnel einzukehren. Das Lokal ist eine Institution und wirbt mit Hausmannskost zu sehr moderaten Preisen. Die Preise sind wirklich günstig, dem Essen hingegen fehlt die Raffinesse, die die italienische Küche auszeichnet. Beim Rückweg zum Parkplatz haben wir angesichts der hohen Temperaturen (über 30 Grad) beschlossen, die Besichtigung der Stadt Teramo auf unbestimmte Zeit zu verschieben.
Nachmittags gönnen wir uns ein bisschen Ruhe. Die letzte Nacht war ja doch eher kurz. So gegen 18:00 Uhr machen wir uns noch einmal auf den Weg zur Gelateria und müssen feststellen, dass schon wieder irgendein Event im Busch ist. Die Musikkapelle des Ortes marschiert nicht sehr schön, dafür sehr laut spielend in Richtung Kirche. Wie wir später mitbekommen haben, gab es eine Hochzeit mit einer großen Anzahl Feiernder. Vor unserem Haus bringt sich Polizei und Rettung in Stellung - wird das wieder eine laute Nacht?
2.6. - Oasi Calanchi di Atri
Für unsere Verhältnisse sind wir heute sehr früh auf den Beinen. 8:30 Uhr Frühstück, 9:00 Abfahrt nach Atri, 9:30 bis 11:00 Uhr Wanderung. Bei den derzeit vorherrschenden Temperaturen muss alles schweißtreibende so bald wie möglich erledigt werden. Und ja, die Wanderung ist schweißtreibend - zumindest der Rückweg. Ganz in der Nähe von Atri liegt die Riserva Naturale Regionale Oasi WWF Calanchi di Atri. Was für ein Name! Was steckt dahinter? Die Calanchi di Atri in den Abruzzen, auch als „Dantes Bolge“ bekannt, stellen die eindrucksvollste und spektakulärste Form der adriatischen Hügellandschaft dar, wahre Naturskulpturen, ähnlich einer Mondlandschaft. Sie erstrecken sich über etwa 600 Hektar, direkt westlich und südwestlich von Atri. Dieses Gebiet wird als das Herz der Badlands von Atri bezeichnet. Vom Besucherzentrum aus gibt es einen Rundweg, der ungefähr die Hälfte des gesamten Areals erschließt. Wenn man den Weg im Uhrzeigersinn geht kann man die spektakulärsten Abschnitte in gut 1 1/2 Stunden besichtigen. Das dumme dabei ist lediglich, dass man, egal für welche Richtung man sich entscheidet, es erst einmal gut 200 Meter nach unten geht. Egal, die Ausblicke sind jede Anstrengung wert. Schweißgebadet, aber um tolle Eindrücke reicher fahren wir zurück ins Quartier und genießen eine erfrischende Dusche.
Da heute in Italien der Tag der Republik gefeiert wird und wir annehmen, dass es in den Lokalen hoch hergeht, haben wir für 13:30 Uhr einen Tisch im DiPronio Ristorante Braceria Tartare reserviert. Wir fahren von unserem Adlerhorst runter in den Ort und müssen feststellen, dass eine Reservierung nicht nötig gewesen wäre. Nur wenige Gäste sind anwesend und wir haben die freie Platzwahl. Die Architektur erinnert uns an unser gestriges Lokal in Campli. Heute bestellen wir uns als Vorspeise Crostinis und danach Pasta. Die Crostini waren gut und reichlich, die Pasta lediglich reichlich. Ich verstehe einfach nicht, warum die italienischen Köche die vor der Haustüre wild wachsenden Gewürze wie Rosmarin, Oregano, Limone u.v.m. nicht verwenden. Selbst die Tomatensoße ist nicht selbst gemacht sondern kommt aus der Tube. Ok, Marina Silvi ist ein sehr touristischer Ort, aber die Hauptzeit des Tourismus beginnt erst Mitte Juni und ist Ende August auch schon wieder zu Ende. Dass da nicht allzu viel Wert auf Qualität gelegt wird kann ich verstehen (aber nicht gutheißen) aber was ist mit den restlichen 9 1/2 Monaten? Was so ein gestandener Italiener ist, der will doch Futter wie bei Mama und nicht so einen Touristenfraß! Etwas frustriert erkunden wir noch einen Küstenabschnitt, wo wir uns die nächsten Tage ein bisschen aufhalten wollen. Nebenbei ist der große Konsumpalast Unieuro, der unter anderem auch einen Interspar beherbergt. Vieleicht gibt's morgen eine gute Jause.
3.6. - Dies und das
Wenn wir schon so ein riesiges Einkaufszentrum in unserer kleinen Gemeinde haben, dann sollten wir uns das doch einmal ansehen. Gegen 11:00 treffen wir ein und finden riesige Parkflächen - zum größten Teil beschattet - vor. Super, da freut sich unser Auto. Wir machen uns ein bisschen mit den Gegebenheiten vertraut und los geht der Shoppingwahn. Wir lassen eigentlich kaum ein Geschäft aus und sind doch nach rund 1 1/2 Stunden durch. Die Anzahl und Qualität der Shops ist überschaubar und das Warenangebot entspricht eben dem für eine Kleinstadt, bzw. Dorf. Bevor wir enttäuscht das EKZ verlassen, besuchen wir noch den Interspar. Das Angebot ist ähnlich wie in Österreich, allein die Metzgerei, Wurst-, Käse- und Brotabteilung ist recht groß und die Auswahl mannigfaltig. Gerti möchte eine kleine Jause kaufen und stellt sich brav bei der Wursttheke an. Allerdings ohne vorher eine Nummer zu ziehen. Und als wir dann endlich eine Nummer haben, dauert es immer noch sehr lange, da einerseits die Kunden viele Wünsche äußern und andererseits die Damen hinter der Theke die Arbeit nicht erfunden haben. An der Kasse das gleiche Spiel. Eilig sollte man es hier nicht haben. Anschließend fahren wir ein paar hundert Meter weiter bis zum Strand. Die Parksituation ist unklar, da es sich eigentlich um einen kostenpflichtigen Parkplatz handelt, diese Kostenpflicht aber normalerweise erst ab dem 15. Juni eintritt. Zwei Autos neben uns parkt gleichzeitig mit uns ein Italiener und auch der ist sich nicht sicher ob man hier zahlen muss. Es werden 2 weitere Personen befragt, keiner kennt sich aus, also zahlt man eben nichts. Wir wollen ja auch nicht lange bleiben, nur einen kleinen Strandspaziergang machen, damit unsere Blässe wieder einmal mit der Sonne in Kontakt kommt. Wir gehen bis zum Torre del Cerrano und beim Rückweg haben wir einen schönen Ausblick auf unser Dorf. Nach einer halben Stunde sind wir wieder beim Auto und fahren heim. Runter mit den Klamotten, rein in die Dusche und dann .... Siesta! Für das Abendessen müssen wir heute noch einmal wegfahren, da alle in Frage kommenden Wirte hier in der Altstadt von Silvi Alto heute geschlossen haben. Aber am Ortsrand gibt es das Ristorante Pizzeria Gallonero welches recht gut sein soll.
4.6. - Probleme, Probleme, Probleme!
Zunächst noch kurz die Episode des gestrigen Abendessens. Wir hatten uns ja die Pizzeria Gallonero ausgesucht und als wir dort ankamen war alles zu. Ein freundlicher Italiener der gerade mit seinem Auto vorbeifuhr blieb stehen und teilte uns mit, dass der heute zu hat weil er gestern auf hatte. Kein Problem, ich habe noch einen anderen Wirt rausgesucht, für den Fall dass es Probleme gibt. Der ist nur 2 km entfernt und Punkt 19:00 stehen wir vor dessen Tür. 3 junge Leute essen ein paar Sandwiches und trinken Wein und der Wirt meint etwas missmutig, wir sollen im Außenbereich mal Platz nehmen. Dann verschwindet er und ein paar Minuten später kommt eine junge, sehr rundliche Frau und geleitet uns ins Innere des Hauses. Platz gibt es da jede Menge, allein Gäste sind keine da. Sie sagt uns was es heute gibt und wir lassen uns auf ihre Empfehlungen ein. Tja, was soll ich sagen - es hat sehr gut geschmeckt. Sogar die Arrostini abruzzo waren ausgezeichnet, obwohl sie ja aus Schaffleisch sind und Schaf nicht so meins ist. Beim Zahlen lässt der Wirt es sich nicht nehmen noch 2 Schnaps zu spendieren und wir fahren satt und zufrieden nach Hause.
Heute ist der Tag der Probleme.
In der Früh steht im Badezimmer Wasser am Boden und vom unteren Teil des Handtuchwärmers tropft es herunter. Ich melde das und mir wird gesagt, dass das im Zusammenhang mit der Klimaanlage steht. Es gibt nur einen Inverter und der ist unter unserem Fenster und von dort geht die Hauptleitung über unser Badezimmer in die anderen Gästezimmer. Unsere Badezimmerwand und der untere Teil der Heizung werden so stark abgekühlt, dass die Luftfeuchtigkeit kondensiert und die Pfütze am Boden entsteht.
Wir haben kein Internet! Ich mache sofort die Chefin darauf aufmerksam, aber auch nach Stunden geht es noch immer nicht. Am späteren Nachmittag funktioniert es dann endlich.
Im Frühstücksraum werden gerade neue Fotos für den Internetauftritt gemacht. Genau zu jener Zeit als die Gäste frühstücken.
Für heute haben wir eine Strandwanderung im Sinn, die da anfängt wo die gestrige geendet hat, beim Torre del Cerrano. Als ich ein Foto machen möchte streikt der Fotoapparat. Ich muss den Apparat auf Standarteinstellungen zurücksetzen damit ich überhaupt fotografieren kann und darf dann zu Hause wieder alle meine Einstellungen programmieren - mühsam.
Die Strandwanderung selbst verlief teils durch den angrenzenden Wald, teils am Strand. Wir werden die kommenden Tage ja direkt am Meer verbringen und da ich vorhabe, meinen Alabasterkörper beim nächsten Stopp doch der Sonne zu präsentieren, musste ich heute schon mal für ein bisschen Grundbräune sorgen. Es könnte ein bisschen zu viel gewesen sein.
Jetzt fehlt nur noch, dass es beim Abendessen ein Malheur gibt.
Kurzer Nachtrag: das von uns ausgewählte Restaurant sperrt entgegen der Info im Internet nicht um 18:00 Uhr auf sondern erst um 19:15 Uhr. Wir fahren also weiter zur Nr. 2 die um 19:00 Uhr die Tore öffnet und haben damit das große Los gezogen. Erstklassiges Essen zum absolut fairen Preis. Schade, dass wir morgen weiter fahren, da hätten wir gerne noch einmal gegessen.
5.6. - Anreise nach Cupra Marittima
Und weiter geht unsere Erkundung Mittelitaliens. Unser kommendes Quartier ist ausnahmsweise ein kleines Hotel, welches direkt am Strand liegt. Hier in Cupra Maritima wollen wir in erster Linie dem "dolce Vita" nachgehen. Aber der Reihe nach. Gegen 11:00 Uhr machen wir uns auf den Weg und fahren zunächst über das Inland Richtung Norden. Die gesamte Wegstrecke sind zwar nur ca. 80 km, aber wenn man die an der Küste fahren würde, müssten wir durch all die Küstenorte und das dauert ewig und ermüdet. Im Hinterland ist wenig Verkehr und gut 2/3 der Wegstrecke legen wir in einer Stunde zurück. An der Grenze zwischen Abruzzen und Marken müssen wir jedoch an die Küste fahren, da wir nur hier den Fluss Tronto queren können. Ab hier bis Cupra Marittima - es sind ca. 35 km - benötigen wir 1 Stunde. Leicht genervt vom Verkehr suchen wir einen Parkplatz und finden schlussendlich einen ca. 250 Meter vom Hotel entfernt. Wir checken ein und als wir die restlichen Sachen aus dem Auto holen wollen, sehen wir in der Nähe des Hotels einen freien Parkplatz. Während Gerti den Platz sichert, laufe ich vor zum Auto und fahre hurtig im Rückwärtsgang gegen die Einbahn zum Parkplatz. Wieder im Zimmer, welches sehr schön ist und über erstklassiges Internet verfügt, eine funktionierende Klimaanlage sein Eigen nennt und in erster Reihe am Meer liegt, gönnen wir uns als Erstes eine ausgiebige Dusche. Danach machen wir uns auf die Suche nach einem Lokal fürs Abendessen. Meine erste Wahl wäre eine Pizzeria schräg vis á vis, da gibt es heute aber eine geschlossene Gesellschaft - Hochzeit. Der Nachbar macht um 19:00 Uhr auf, passt. Wir nehmen einen Drink in einer Strandbar gegenüber von unserem Hotel und erkunden dann die Umgebung. Dabei sehen wir, dass wir unser Auto direkt neben ein schickes kleines Haus geparkt haben. Wir sind ja immer auf der Suche nach Immobilien. Das wäre doch genau das richtige für uns, mit eigenem Behindertenparkplatz vor der Haustür. Noch schnell ein Bildchen von Gerti in ihrer neulich erworbenen Flatterhose bevor es zum Abendessen geht.
6.6. - Wir gehen getrennte Wege
Das gestrige Abendessen war witzig. Die 2 Lokale sind eigentlich nur eines, jedoch mit Vorder- und Rückseite. Auf der Vorderseite war die Hochzeit und auf der Rückseite waren wir. Direkt neben uns, nur durch eine Plastikscheibe getrennt, konnten wir dem Koch zusehen, während hinter uns die Hochzeitsgesellschaft tanzte. Für Unterhaltung war also gesorgt.
Obwohl ich heute schon vor 6 Uhr den Sonnenaufgang bewunderte, waren wir beim Frühstück die Letzten. Das Frühstücksbüffet lässt keine Wünsche offen. Gut gestärkt gehen wir heute getrennte Wege. Während Gerti sich am Strand einnistet, gehe ich hoch nach Marano. Marano, auch Cupra Alta genannt, besitzt seit 1076 das Stadtrecht und war im Spätmittelalter in die Kämpfe zwischen den Einwohnern von Ascoli und Fermo um die Kontrolle des Gebiets verwickelt. Im 16. Jahrhundert wurde sie von den Türken geplündert und 1861 dem entstehenden Königreich Italien einverleibt. Soweit das Geschichtliche. Es geht ca. 150 Meter nach oben und ich bin plötzlich in einer völlig anderen Welt. Umgeben von den dicken Mauern der Festungsanlage fühlt man sich wohl und nur die Ausblicke auf den darunter liegenden Ort sind die Verbindung zwischen damals und heute. Ab und zu treffe ich ein paar Leute, man grüßt und geht seiner Wege. Ich treffe keinen Touristen hier oben, der Ort ist in dieser Hinsicht noch unverdorben. Am Ortsende wandere ich noch auf einer kleinen Zubringerstraße weiter, weil der Weg so hübsch ist. Für den Rückweg wähle ich eine kleine Schotterstraße, von der man einen sehr schönen Ausblick auf einen Teil des auf einer Klippe liegenden Ortes hat.
Wieder zurück in Cupra Marittima, vereinen sich unsere Wege wieder. Ich checke einmal die Adria, die hier sehr flach ist. Die Temperatur im Flachwasser ist sehr angenehm, wo es ein wenig tiefer wird ist es deutlich kühler, aber da muss man ja nicht hinschwimmen.
Wir hätten uns heute sehr gerne am Abend das Tennis Halbfinale von Paris zwischen Sinner und Djokovic angesehen, aber leider gibt es das nur im Pay TV. Also werden wir wieder Essen gehen.
7.6. - Grottammare Alta und Offida

Als Gerti gestern das Strandleben dem Wandern vorgezogen hat, verbrachte sie ca. 3 Stunden ausschließlich unter dem Sonnenschirm. Ergebnis? Sonnenbrand! Also gibt es heute keinen Badetag sondern 2 Besichtigungen. Grottamare Alta ist nur 4 Kilometer von unserem Quartier entfernt und liegt wie gestern Marano auch auf einem Hügel. Wir fahren mit dem Auto hoch und sind überrascht, wie viele Leute wir da antreffen. Geschichtlich erging es Grottammare Alto wie Marano. Es gibt das eine oder andere schöne Gebäude und natürlich die Überreste der alten Befestigungen, aber Aura hat der Ort wenig. Jetzt, wo ich den Bericht schreibe, lese ich, dass es zu den "schönsten Dörfern Italiens" gehört. Hab es mir fast gedacht!
Ganz anders ist es in Offida. Bereits in der Steinzeit gab es hier eine Siedlung. Etwa ab dem 9. Jahrhundert erlebte Offida durch die Benediktinermönche aus Farfa eine landwirtschaftliche Blütezeit. In dieser Zeit wurden auch ein Rathaus und eine Stadtmauer errichtet. Heute ist die Altstadt ein wahres Schmuckkästchen. Die Kunst des Klöppelns ist eine Tradition, die seit mindestens fünf Jahrhunderten von der Mutter an die Tochter weitergegeben wird. Ein Denkmal für die Spitzenklöpplerinnen befindet sich am Stadtbrunnen. Wir bummeln durch die wirklich sehenswerte Altstadt und besuchen die Kirche "Heiligtum des Heiligen Augustinus" in der die Reliquien des "Eucharistisches Wunder von Offida" aufbewahrt werden. An der Piazza del Popolo steht unter anderem das Rathaus, bei dem sich eine große Menschenmenge versammelt hat. Festlich gekleidete, Sekt trinkende Leute, ein mit Blumen geschmückter Porsche und ein ebenfalls geschmückter VW Bulli (den hätte ich gerne) deuten darauf hin, dass hier eine Hochzeit stattfindet. Und siehe da, als wir ein wenig näher treten sehen wir das Brautpaar. Im Erdgeschoss des Rathauses, wo wahrscheinlich die Trauung stattfindet, ist nicht nur das "Teatro Serpente Aureo" sondern auch das weithin bekannte Lokal "Osteria Cantina Offida" beheimatet. Eigentlich wollten wir dort zu Mittag essen, aber nach unserem ausgiebigen Frühstück im Hotel haben wir noch keinen Hunger und der Wirt dürfte mit der Hochzeit auch alle Hände voll zu tun haben. Wir fahren wieder nach Hause und bekommen - welch Wunder - einen Parkplatz ganz in der Nähe unseres Quartiers.
8.6. - Ruhetag
So, jetzt ist die Hitze auch bei uns angekommen. Heute ist Sonntag, und alle machen sich auf den Weg zum Strand. Alle? Nein, da gibt es 2 Mondseer, die machen sich nach einem ausgiebigen Frühstück auf den Weg zum Supermarkt, um sich mit ein paar lebensnotwendigen Dingen einzudecken. Brot, Tomaten und Wein wechseln den Besitzer und somit ist klar, dass wir heute nicht wieder auswärts essen werden. Das hat zwei Gründe: nach 2 Tagen Pizza und gestern Pasta mit Muscheln darf es wieder einmal eine kleine Jause sein und da heute das große Finale im Tennis in Paris (Roland Garros) ab 15:00 Uhr zwischen Janik Sinner und Carlos Alcaraz stattfindet und wir das unbedingt sehen müssen, fällt der Restaurantbesuch heute aus. Beim Rückweg vom Supermarkt reservieren wir noch für morgen einen Tisch bei der Pizzeria Adriatica und ziehen uns dann in unsere Kemenate zurück. Anstatt eines Kamines, der in eine Kemenate gehört, haben wir eine Klimaanlage, die gute Arbeit leistet. Puh, das Match dauert ja ewig. Nach dem 3. Satz machen wir eine TV-Pause und unternehmen eine Strandwanderung. Die Sonne steht nicht mehr hoch und es besteht keine Sonnenbrandgefahr. Nach gut einer Stunde sind wir wieder im Hotel und die Partie läuft immer noch. Also sehen wir uns den 5. Satz und das entscheidende Tie-Break noch an und nach über 5 1/2 Stunden steht Carlos Alcaraz als Sieger fest.

9.6. - Noch einmal Marano
Die Hitze hält noch an und so beschließen wir, heute noch einmal nach Marano hochzugehen. Die dicken Mauern der Altstadt wirken wie eine Klimaanlage und die Temperaturen sind hier oben deutlich angenehmer als unten am Meer. Für Gerti ist es die Erstbegehung, ich hingegen bin Wiederholungstäter. Auch heute ist hier oben nichts los und gerade das ist das Schöne an diesem Kleinod. 1000 Jahre alte Mauern bieten dir Schutz, Kühle und Geborgenheit. Ein wenig außerhalb der Festungsmauern steht ein grandioses Landhaus mit riesigem Garten und einzigartigem Ausblick auf die Kulisse der Altstadt und auf das Meer. Wenngleich nur wenige 100 Meter von der Autobahn entfernt, herrscht hier absolute Ruhe. Wer dieses Landhaus sein Eigen nennen darf mag sich glücklich und privilegiert schätzen. Nach gut 1 1/2 Stunden sind wir wieder im Quartier und strapazieren erst einmal die Dusche. Während Gerti sich nachmittags noch einmal dem Strand widmet, arbeite ich den Plan für morgen aus und mache mir Gedanken über die in 2 Tagen anstehende Anreise nach Macerata. Abends geht es heute zur gestern entdeckten Pizzeria. Als wir ankommen herrscht gähnende Leere. Das ändert sich im Laufe des Abends, aber überfüllt ist es nicht. Das Personal ist freundlich, das Essen ist ausgezeichnet, der Wein süffig und der Monte Negro richtet den Magen wieder ein. Ich hätte zwar für morgen ein Lokal am Land, aber ich bin mir nicht sicher, ob wir morgen nicht noch einmal das Ristorante vor Ort besuchen werde. Na, wir werden sehen.
10.6. - Ripatransone und Acquaviva Picena
Eigentlich wäre für heute noch ein dritter Punkt am Programm gestanden, nämlich der Hafen von San Benedetto, aber den ließen wir wegen der hohen Temperaturen aus.
Ripatransone ist eine kleine Gemeinde mit ca. 4.000 Einwohnern und liegt rund 12 Kilometer vom Meer entfernt in 500 Meter Seehöhe. Das Auffälligste sind die gigantischen Befestigungsanlagen, die in Teilen noch recht gut erhalten sind. Die ehemaligen Stadttore haben eine enorme Höhe, die alten Gebäude sind allesamt hübsch anzusehen und der große Dom ist sehenswert. Die Gemeinde behauptet, die engste Gasse Italiens ihr Eigen zu nennen, na da sind sie nicht die Einzigen die das behaupten. Aber eng ist sie wirklich. Ripatransone war und ist ein Ort, wo im großen Stil Landwirtschaft betrieben wurde und wird. Bei der Weiterfahrt nach Acquaviva Picena sehen wir ein extrem steiles Getreidefeld, das doch tatsächlich mit Traktoren befahren wird. Ich würde mich bei der Steilheit des Hanges das nicht trauen.
Acquaviva Picena ist in etwa gleich groß wie Ripatransone, hat aber eine wesentlich ältere Geschichte. Bereits seit prähistorischen Zeiten gab es hier eine Siedlung und im 13 Jahrhundert wurde die mächtige Festungsanlage errichtet, die noch heute sehr beeindruckend ist. Generell fällt auf, dass die bewohnten Altstädte im Inland recht schön herausgeputzt sind und die Bewohner immer ein freundliches „Salve“ (Servus) auf den Lippen tragen. Ich mag diese Orte sehr gern, wo man meint, dass die Zeit stehengeblieben ist und das Leben nicht so hektisch verläuft wie an anderen Orten.
11.6. - Anreise nach Macerata
Heute geht es wieder ein kleines Stück nach Norden und wir verlassen die Küste. Unser erstes Ziel ist die Stadt Fermo, die - wie so viele Städte hier - aus einer sehr alten Siedlung entstanden ist. Über die Jahrtausende wechselten die Herrscher. Etrusker, Römer, Langobarden und Franken. Ende des 12. Jahrhunderts wurde Fermo eine freie Gemeinde. Bei den letzten starken Erbeben 2016/2017 wurde Fermo so wie viele andere Gemeinden in den Marken stark beschädigt. Überall sieht man beschädigte Häuser und viele Attraktionen sind nicht zugänglich. Wir bummeln durch die Stadt und besuchen unter anderem den Dom und dessen Krypta, in der die Reliquien des seligen Beato Antonio Grassi aufbewahrt werden. Neben seinen Messgewändern, Büchern und liturgischem Gerät sind auch seine Gebeine aufgebahrt. Zum Abschluss noch ein Ausblick in Richtung Monte Sibillini, den man leider nur erahnen kann. Auch hier in Mittelitalien ist die Feinstaubbelastung durch die verheerenden Waldbrände in Kanada enorm.
Wir fahren weiter nach San Ginesio, welches aufgrund seiner hohen Lage von knapp 700 Meter auch der „Balkon der sibillinischen Berge“ genannt wird. Normalerweise hätte man von hier einen grandiosen Rundumblick von den hohen Bergen bis zum Meer - normalerweise. Laut Internet soll es hier einen guten Wirt geben und wir begeben uns zur „Bar Ristorante Pizzeria Paracallà“. Hier, in den Marken, haben wir vor 2 Jahren die Pasta mit Pilzen lieben gelernt. Also, was liegt näher, als Pasta con Funghi zu bestellen. Leider gibt es zurzeit keine Steinpilze und so findet irgendein anderer Pilz Verwendung. Kurz gesagt, das Essen war nicht gut. Nach einem kleinen Spaziergang durch den ebenfalls schwer beschädigten Ort fahren wir zu unserem neuen Quartier in Macerata.
In der Stadt Macerata übersehe ich in einem Kreisverkehr eine Ausfahrt und lande mitten in der Altstadt. Halleluja! Die Gassen sind extrem eng und es dauert eine ganze Weile, bis mich das Navi wieder aus dem Labyrinth der Gassen herausführt. So, aber jetzt schnell zum Quartier. Da wir eigentlich ganz woanders sind als wir sein sollten, leitet mich das Navi auf eine klitzekleine Straße, welche uns nach nervenaufreibenden 1 ½ Kilometern endlich zu unserem Quartier bringt. Ein herrschaftliches Objekt aus dem Jahre 1800 mit einem tollen Garten und einer großartigen Aussicht auf die Altstadt von Macerata. Und der Duft des Jasmin ist einfach umwerfend.
12.6. - Macerata
Der heutige Tag gehört ganz und gar Macerata. Wir fahren mit dem Auto zu einem großen Parkplatz außerhalb der Stadt, von wo ein Lift direkt hoch in die Altstadt fährt. Zunächst machen wir uns auf dem Weg zur Trattoria "Da Rosa" und reservieren für Mittag einen Tisch. Das Lokal hat uns unsere Hausfrau empfohlen und wir wollen es heute einmal ausprobieren. Macerata liegt auf einem Hügel, ca. 300 Meter über dem Meer und hat ca. 40.000 Einwohner. Die Stadt ist für italienische Verhältnisse relativ jung. Der Ursprung Maceratas geht auf die römische Stadt Helvia Recina zurück, die aus einer bereits bestehenden italischen Stadt hervorging, die möglicherweise seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. von den Picenern bewohnt war. Die Überreste des römischen Theaters aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. sind heute das wichtigste Zeugnis der antiken Stadt und zeugt vom Wohlstand der Siedlung. Im 4. oder 5. Jahrhundert zwangen die Invasionen der Goten die meisten Einwohner zur Umsiedlung in die Hügel, wo die mittelalterlichen Zentren von Macerata und Recanati gegründet wurden. Die Gemeinde Macerata wurde am 29. August 1138 gegründet. Dank der Loyalität zum Kirchenstaat verlieh Papst Johannes XII der Stadt 1320 den Bischofssitz und im 16. Jahrhundert wurden Akademien und Universitäten gegründet. Die Stadt ist reich an Denkmälern, Kirchen und Palästen, zu viele um alle aufzuzählen bzw. anzuschauen. Hervorzuheben sind die Chiesa di San Giorgio, die Universitäten, die Statue von Pater Matteo Ricci mit seinem Schüler Xu Guangqi, die Statuen des Palazzo Buonaccorsi (nebst Museum), Santuario Basilica della Madonna della Misericordia, der Duomo di San Giuliano (derzeit geschlossen), der Brunnen Maggiore, Borgo San Giuliano, der Piazza della Libertà, die Orologio astronomico, usw. Irgendwann tun uns die Füße weh und die Hitze ist auch nur noch im Schatten erträglich. Also gehen wir zur Trattoria Da Rosa und lassen es uns dort bei Pasta Gerichten gutgehen. Wieder zurück im Quartier schwimmen wir noch ein wenig im Pool und lassen den Tag ruhig ausklingen.
13.6. - San Severino Marche und Tolentino
San Severino Marche liegt ca. 25 km westlich von Macerata. Wie bei allen Orten hier reicht das Geschichtliche bis in die vorchristliche Zeit zurück. Entgegen den anderen bisher besichtigten Orten, ist es dieses Mal nicht die Altstadt die uns interessiert, sondern die Neustadt, Il Borgo (das Dorf). Die Reste der Altstadt stehen auf dem Monte Negro, den man vom Borgo aus in 20 Minuten zu Fuß erreichen kann, was aber angesichts von 170 Höhenmetern und schattenlosen Weg bei über 30 Grad nicht so richtig Spaß macht. Leider wurden auch San Severino und Tolentino bei den Erdbeben schwer beschädigt und viele der Sehenswürdigkeiten sind nicht zugänglich. Das Zentrum dominiert der riesige Piazza del Popolo. In den Arkaden befinden sich Geschäfte und Gastronomie. Wie bummeln ein bisschen durch die Gassen und fahren dann weiter nach Tolentino.
In Tolentino sieht man - wohin man schaut - nur Baustellen, Gerüste und Kräne. So bleibt uns nichts weiter übrig, als den charakteristischen Uhrturm zu bewundern und die Basilika San Nicola da Tolentino. In der Basilika sind einige Bereiche für Besucher freigegeben. Die äußerst interessanten Seitenkapellen sind leider noch immer nicht zugänglich.
14.6. - Treia und Pollenza
Die beiden kleinen Gemeinden westlich von Macerata reihen sich ein in die Liste der seit Jahrtausenden bewohnten Orte Italiens. Vermutlich von den Picernern oder Sabinern gegründet, wurde Treia im 3. Jahrhundert v.Chr. eine römische Kolonie. Im 5. Jahrhundert n.Chr. übernahmen die Westgoten das Kommando und zwischen dem 9. und dem 10. Jahrhundert waren die Sarazenen die neuen Hausherren. Treia war bis 1860 Teil des Kirchenstaates und wurde dann nach der Schlacht von Castelfidardo dem Königreich Italien angegliedert. Die Besichtigung der Altstadt ist kurz und schmerzlos. Es gibt nur eine kleine Straße die durch den Ort führt. Wir beginnen beim nordwestlichen Tor und gehen hoch zum Duomo della Santissima Annunziata, der leider geschlossen ist. Danach folgt die Piazza della Repubblica. Neben dem Rathaus, welches noch saniert werden muss (man hat dem geschundenen Bauwerk eine Hülle überstülpt, die zeigt, wie es bald wieder aussehen soll), befindet sich das Monumento ai caduti, das Denkmal zu Ehren der Gefallenen in den beiden Weltkriegen. Die Accademia Georgica Treia und die Chiesa di San Filippo komplettieren das Ensemble. Ja, und das war es dann auch schon mit Treia. Kurzweilig, interessant und schön kühl in den alten Mauern.
Obwohl Treia und Pollenza nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, sind die Orte komplett unterschiedlich. Treia, der stolze, saubere, sich seiner Geschichte bewusste kleine Ort und Pollenza der eher legere, nicht ganz so saubere Ort, in dem vieles nicht mehr so ist, wie es einmal war. Bereits beim Zugang in die Altstadt bekommt man das Gefühl, dass es hier irgendwie anders ist. Erfreulicher Weise begrüßt uns beim Eingangstor eine Dohle, die hier im Torbogen ihr Nest hat. Hübsch ist auch, die mit Topfpflanzen begrünte Seitengasse. Die Piazza della Liberà mit dem Rathaus und dem Uhrturm fehlt leider jeglicher Charme und die Kirchen sind wegen Restaurierungsarbeiten nicht zugänglich. Einzig die Chiesa di San Biagio am Ortsende, welche ca. um 1800 im neoklassizistischen Stil errichtet wurde, hat als Anhängsel noch den alten Kirchturm, der zu der alten Kirche aus dem 13. Jahrhundert gehörte. Diese Kirche wurde leider abgerissen. Alles in allem ist Pollenza ein Ort, den man nicht unbedingt gesehen haben muss, außer man mag Dohlen - so wie ich. Anschließend fahren wir noch zur Abbazia di Fiastra, wo ganz in der Nähe eine Bar ist, die wirklich gutes Essen hat und man schön im Schatten der großen Bäume essen kann. Danach heim und Siesta. Bei 32 Grad muss man es nicht übertreiben.
15.6. - Shopping
Heute ist Sonntag und wir gehen einkaufen. Das ist in Italien sehr einfach, denn die Shopping Center haben in der Regel am Sonntag zwischen 10:00 und 20:00 Uhr geöffnet. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zum "Centro Commerciale Val di Chienti", welches nur 10 km von unserem Quartier entfernt ist. Wir finden einen Schattenparkplatz und tauchen ein in die klimatisierten heiligen Hallen des Konsums. Nach knapp 2 Stunden und einigen Einkäufen wechseln wir die Destination und fahren zum "Il Cuore Adriatico", einem weiteren Konsumpalast. Auch hier werden wir fündig und begeben uns anschließend in die nahe gelegene Löwengrube. Löwengrube? Ja, denn hierbei handelt es sich um eine Gastwirtschaft nach bayrischem Vorbild. Wen es interessiert: näheres findet man hier. Wir gönnen uns heute einmal eine Bratwurst und ein Weißbier. Die Biere kommen original aus Bayern und heute muss es ein original Paulaner Weißbier vom Fass sein, sehr gut von einer Asiatin gezapft. Internationaler geht es nicht. Das Essen ist ok, "bei ins dahoam schmeckats a bisserl onders". Übrigens, bayrisch können die in Lederhose und Dirndl gekleideten Mitarbeiter nicht. Morgen werden wir uns wieder von der italienischen Küche verwöhnen lassen. Unser gestriger Besuch bei der Pizzeria Lievitaria hier in Macerata war der absolute Hammer. Wir haben noch nie bessere Pizzen gegessen. Für morgen habe wir schon einen Tisch reserviert. Neugierig? Die Speisekarte findest du hier.


16.6. - Loreto und Recanati
Heute ist unser letzter Tag hier in Macerata und die letzte Chance Loreto zu besuchen. Nach dem Petersdom in Rom ist Loreto der zweitwichtigste Wallfahrtsort in Italien (Assisi liegt auf Platz 3) und einer der wichtigsten der katholischen Welt. Die Basilika vom Heiligen Haus beinhaltet die Santa Casa, der Legende nach das Heilige Haus von Nazareth, in dem Maria aufwuchs und die Verkündigung des Herrn empfing. Es soll von Engeln nach Loreto getragen worden sein. Fakt ist, dass die Santa Casa ein hoch religiöser Ort ist, der von unzähligen Pilgern besucht wird. Rund um die Santa Casa ist eine Hülle aus Marmor errichtet worden, welche künstlerisch äußerst anspruchsvoll ist. In der Santa Casa wird die schwarze Madonna verehrt. Die Basilika beherbergt auch wertvolle Werke von Melozzo da Forlì, Andrea Sansovino und Luca Signorelli. Neben dem Hauptaltar, welcher direkt vor der Santa Casa liegt, gibt es eine ganze Reihe von prächtigen Seitenaltären. Auch Teile des Klosters kann man besichtigen, in denen Devotionalien aus vielen Jahrhunderten ausgestellt werden. Das Schöne an Loreto ist, dass es hier sehr gesittet zugeht und kein Massentourismus stattfindet. Bereits am Parkplatz weisen Schilder daraufhin, dass man sich ordentlich zu benehmen hat (kein Witz).
Und weiter geht es nach Recanati. Der Hitze geschuldet habe ich das Besichtigungsprogramm stark reduziert. Wir parken außerhalb der Befestigungsmauern und betreten die Altstadt bei der Porta San Domenico. Nach ein paar Metern stehen wir vor der Chiesa di San Domenico, welche wir uns natürlich ansehen. Direkt anschließend an die Kirche liegt die Piazza Giacomo Leopardi, wo alle wichtigen Bauwerke zu bewundern sind. Das Rathaus, der Uhrturm und eine Bar, wo wir uns einen Cappuccino genehmigen. Bei der Heimfahrt versucht mich das Navi wieder in eine Falle zu locken - dieses Mal vergebens.
So, kommen soeben zurück vom Abendessen. Wunderbare Pizza genossen und während wir im Lokal waren ist die Temperatur um 10 Grad gesunken. Und es hat geregnet - ein bisschen.
17.6. - Anreise nach Sassoferato
Es ist kühl und stark bewölkt, aber es regnet nicht. Ein letztes Frühstück bei Annalisa und auf geht es in Richtung Nordwesten. Unser erstes Ziel ist die alte Stadt Cingoli, die leider auch stark unter den Erdbeben gelitten hat. Bei den meisten der historischen Gebäude ist nur die obere Hälfte zu sehen, der Rest ist mit Planen abgedeckt. Beim Lago di Cingoli (Stausee) fahren wir über die Brücke, machen eine Rundwanderung und gehen hoch zur Ruine Ruderi Castello Castreccioni und zur Chiesa San Giorgio. Wie man auf dem Bild sieht, wächst bereits Grünzeug aus dem Glockenturm. Die letzte Messe dürfte schon längere Zeit her sein. Wir kommen vorbei an den beiden ehemaligen Klöstern Abbazia di Sant'Urbano und Abbazia Sant'Elena, bevor wir den kleinen Ort Serra San Quirico erreichen. Die Altstadt ist schnell abgegangen und wir fahren zur Grotte di Frasassi, wo wir uns für morgen ein Ticket kaufen wollen. Tickets kann man aber nur für den aktuellen Tag dort erwerben, für Tage in der Zukunft geht das nur über das Internet. Also fahren wir unerledigter Dinge weiter und jetzt spielt uns das Navi wieder einen Streich. Ich weiß, dass unser Quartier nur über eine Schotterstraße erreichbar ist und denke mir nicht viel dabei als es heißt: "bitte hier links abbiegen". Nach ein paar hundert Metern endet der Schotterweg abrupt und wir haben Mühe zu wenden und ganz langsam den sehr steilen Weg wieder herunter zu fahren. Bei genauer Betrachtung der Landkarte bemerken wir, dass es 1 1/2 Kilomter weiter vorne noch einen Weg gibt, der in die richtige Richtung weist. Und siehe da, nach 10 Minuten sind wir dann in unserem Quartier.
18.6. - Wandertag
Kurzer Rückblick auf den gestrigen Abend. Um 20:00 Uhr finden wir uns zusammen mit 2 anderen Paaren im Restaurantbereich zum Abendessen ein. Massimo, der Koch, bereitet - so gewünscht - jeden Abend ein Menü zu. Er verarbeitet was gerade Saison hat und vieles kommt von der eigenen Landwirtschaft. Hans, der 25 Jahre Tierarzt war, betreut tagsüber die Tiere und ist am Morgen und am Abend der perfekte Kellner. Und das, was Massimo zaubert und Hans serviert ist einfach exzellent. Als Antipasti gibt es eine Quiche mit Lauch und Kräutern, als erster Gang wird Pasta mit Ragout aus der Schweinebacke serviert, gefolgt von einer rosa gebratenen Schweinelende im Schinken-/Knuspermantel mit köstlichem Zucchinigemüse und Trüffelsauce und zum süßen Abschluss gibt es noch ein Semifreddo - einfach göttlich. Ein milder Grappa - ja das gibt es - beendet den Abend so gegen 22:30 Uhr.
Heute ist das Wetter wieder gut. Am Morgen ist zwar noch etwas kühl, aber es scheint die Sonne und ist somit das perfekte Wetter für eine Wanderung. Unser Quartier - Agriturismo Valdifiori (Tal der Blumen) - liegt auf ca. 630 Meter und von hier aus kann man mehrere Wanderungen in die Natur unternehmen. Wir gehen von unserem Adlerhorst eine kleine Straße entlang bis wir kurz vor dem Weiler Località Torre di Murazzano einen Weg erreichen, der uns durch die Wälder und entlang der Felder nach Murazzno bringt. Von dort geht es ein Stück entlang der Straße und nach wenigen 100 Metern biegen wir ab zum oben erwähnten Weiler. Danach passieren wir noch ein Reservat mit speziellen Trüffelerden. Alles zusammen sind wir ca. 2 1/2 Stunden unterwegs, begegnen keinem Auto, 3 Hunde bellen, eine Frau und ein Mann kreuzen unseren Weg und ein Radfahrer kommt uns entgegen. Ja, es ist hier nicht all zu hektisch. Das wird sich bei unserem morgigen Ziel schlagartig ändern. Die Höhlen von Frasassi sind ein Touristenmagnet.
19.6. - Genga
Das Menü von gestern Abend: Crostini, Ravioli mit Trüffel, Lammrack vom Grill mit Weges, Semifreddo.
Heute haben wir ein dicht gedrängtes Programm vor uns. Den Anfang macht die kleine Gemeinde Genga die zwar nur rund 1.600 Einwohner hat aber an Sehenswürdigkeiten alles bietet was das Herz begehrt. Wir fahren zunächst in die Altstadt, die in gut 10 Minuten besichtigt ist. Allgegenwärtig ist Papst Leo XII, der aus der Familie derer von Genga kam. Ja, die Familie war Namensgeber für das Dorf. Interessant ist, dass bei den alten Bauwerken teilweise der gewachsene Fels mit in die Mauern verarbeitet wurde.
Was ebenfalls zu Genga gehört ist die Einsiedelei Santa Maria Infra Saxa. Die Einsiedelei wurde zwischen den Felsen erbaut und ist teilweise in die Höhlenwand gegraben. Die ersten schriftlichen Erwähnungen der Einsiedelei stammen aus dem Jahr 1029 und sprechen von einem Klausurkloster, das von Benediktinerinnen bewohnt wurde. Bekannter jedoch ist der neoklassizistische Tempel Valadier. Er wurde von Papst Leo XII in Auftrag gegeben und 1828 auf der Grundlage eines Entwurfs des Architekten Giuseppe Valadier gebaut. Die Kirche hat den Grundriss eines Achtecks. Die Dachkuppel ist mit Bleiplatten gedeckt. Die Kirche wurde in die Grotte gebaut und besteht aus Travertinblöcken, die aus einem Steinbruch der Frasassi-Grotte stammen. In der Kirche wurde früher eine Marmorstatue der Madonna mit Kind verehrt, die aus der Werkstatt von Antonio Canova stammte. Heute ist die Statue im Museum für sakrale Kunst von Genga ausgestellt, und in der Kirche wurde eine Kopie aufgestellt. Um die beiden Bauwerke zu besichtigen, muss man den Kreuzweg nach oben gehen. Er ist nicht besonders lang - gut 1 Kilometer - aber relativ steil und bei den vorherrschenden Temperaturen (30 Grad) kommt man ganz schön ins Schwitzen.
Zu Genga zählt des Weiteren auch der kleine Weiler San Vittore. Genau genommen ist San Vittore bekannt wegen der Abtei San Vittore alle Chiuse, ein romanisches Gebäude in isolierter Lage am Zusammenfluss des Sentino mit dem Esino, welches 1902 zum Nationaldenkmal erklärt wurde. Wir besichtigen das eher schmucklose Gebäude und gehen dann zum Fluss Sentino und schauen uns die großen Karpfen an.
Und jetzt gehen wir zu Fuß die paar 100 Meter zur Grotte di Frasassi. Die Frasassi - Höhlen sind unterirdische Karsthöhlen. Der Komplex besteht aus einer riesigen Reihe von unterirdischen Räumen, von denen die ersten 5 für die Öffentlichkeit leicht zugänglich sind. Der erste Raum ist der Ancona-Abgrund, ein enormer Hohlraum mit einer Ausdehnung von 180 ×120 m und eine Höhe von 200 m. Es ist so groß (über zwei Millionen m³ Volumen), dass der Mailänder Dom problemlos darin Platz fände. Zurzeit sind ca. 30 km der Höhle erforscht, für das Publikum sind aber derzeit nur ca. 800 m zugänglich. Aber diese 800 Meter haben es in sich.
Wir fahren heim und sehen zum ersten Mal die Kühe von Hans. Nach einer kurzen Pause machen wir uns vom Quartier aus auf dem Weg zum Piano della Croce, unserem Hausberg. Es sind zwar nur knapp 200 Meter Höhenunterschied, aber bei den Temperaturen kommt man gleich mal ins Schwitzen. Aber es zahlt sich aus.
20.6. - Località Torre di Murazzano
Zunächst das gestrige Menü: Carpaccio von der Gänsebrust auf Vogerlsalat und Melone, Risotto mit wildem Spargel, gefülltes Perlhuhn im eigenen Saft mit buntem Gemüse, Panna Cotta mit Contreau und Honig. Ich muss auch noch 2 Fotos von den lieben Kitzlein reinstellen. Die sind so goldig. Und ein paar Bilder von unserem Speisezimmer.
Heute ist unser letzter Tag hier im Paradies. Und das mit dem Paradies meine ich ganz ehrlich. Von all den Zielen die wir bisher auf dieser Reise angesteuert haben ist dies hier das allerbeste. Und zwar in jeder Hinsicht. Hans und Massimo sind 2 super Typen, die alles dafür tun, dass man sich wohlfühlt. Das Essen hat Hauben Niveau. Die Lage hier ist einzigartig. Absolut ruhig, eine grandiose Aussicht, Wanderwege ohne Ende und außerordentliche Attraktionen in Genga. Da der gestrige Tag schwer zu toppen ist, lassen wir den Plan für heute beiseite und jeder tut was er grad mag. Unser geschundenes Auto darf heute mal den ganzen Tag im kühlen Schatten stehen und muss sich nicht mit Schotterstraßen herumplagen.
Gerti lässt es sich am Pool gutgehen. Schwimmen, in der Sonne oder Schatten liegen, ruhen. Ich gönne mir eine ausgedehnte Wanderung in dem Gebiet rund um unser Quartier. Meine Wander App kennt jeden Weg und Steg. Was die App jedoch nicht anzeigt, ist der Zustand der Wege bzw. die Beschaffenheit. So kommt es dann schon mal vor, dass der Weg optisch nicht vorhanden ist, weil seit Jahren keine Menschenseele hier rumgelatscht ist. Da heißt es dann Zähne zusammenbeißen und Schritt für Schritt dem GPS folgen. Brennnesseln und dornige Büsche wachsen besonders gerne an solchen Passagen. Und was die App natürlich auch nicht weiß, ist der Umstand, dass unsere beiden Helden Hans und Massimo einen ehemals vorhandenen Weg einfach dicht gemacht haben. So passiert am Rückweg, wo ich zwar unser Quartier sehen konnte aber erst nach einem abenteuerlichen Umweg von 2 km wieder zu Hause war. Anfangs war der Weg noch gut wahrzunehmen, aber kurz vor der Metropole Località Torre di Murazzano - der Weiler unter uns - war nichts mehr von einem Weg zu sehen. Alles zugewachsen. Als ich dann endlich die Häuser des Dorfes sah war ich erleichtert. Aber trotz allen Widrigkeiten, diese Wanderung durch die Natur ist ein echtes Vergnügen und ich würde sie sofort noch einmal machen.
21.6. - Anreise nach Naro
Heute nehmen wir Abschied von Hans und Massimo, die uns gestern Abend noch einmal mit einem fulminanten Menü verwöhnt haben. Als Antipasta gab es Frittata mit Frischkäse und Rucola, es folgten Tortelloni mit Ricota/Spinat Füllung, danach Carne affettata und zum Abschluß wieder ein Semifreddo. Nach dem Frühstück nehmen wir schweren Herzens Abschied von den Beiden. Aber nicht nur die Gastgeber werden mir fehlen sondern auch die Sonnenuntergänge.
Heute geht es nach Naro, welches zu der Gemeinde Cagli gehört. Wir haben mächtig viel Zeit und besuchen zunächst den Ort Cagli. Es gibt einen dicken Wehrturm, ein paar Kirchen und ein ganz schlankes Haus. Hätten wir nicht einen Cappuccino getrunken, wären wir in 10 Minuten durchgewesen.
Weiter geht es nach Piobbico. Ein kleines aber schönes Nest. Es liegt im umbrisch-märkischen Apennin, in einem Tal, das zwischen zwei Bergen eingeschlossen ist, dem Monte Nerone (1526 m ) und Monte Montiego (975 m) und wird von den Flüssen Biscubio und Candigliano umspült, die direkt im Stadtzentrum zusammenfließen. Ganz oben thront das Castello Brancaleoni aus dem Jahre 1213. Mein Navi meint, dass der Rundgang ca. 5 Minuten dauert, es irrt! Wir brauchen eine gute 1/2 Stunde.
Nächster und letzter Zwischenstopp ist Urbania. Die kleine Stadt hat einige hübsche Häuser und Gassen, der zentrale Platz, an dem viele dieser Sehenswürdigkeiten liegen, ist aber leider eine Baustelle. Von der Statue sieht man nur den obersten Teil, Petrus mit dem Jesuskind. Wir gehen bis zum Fluss Metauro, von wo man von der Brücke aus, einen schönen Ausblick hat.
22.6. - Gola del Furlo und Urbino
Noch kurz zur gestrigen Ankunft. Wir hatten 16:00 Uhr ausgemacht, kamen aber wegen der eher kurzen Besichtigungen bereits um 15:00 Uhr beim Quartier an. Unsere Hausdame war vor Ort und wird konnten unser Zimmer beziehen, in dem wir uns sehr wohlfühlen. Hengameh, so heißt unsere Vermieterin, ist eine ganz Nette. Sie kümmert sich rührend um uns, grad so, als wenn wir 2 alte Tattergreise wären. Gebürtige Perserin, sehr langer Zeit in Europa, davon 7 Jahre zum Studium in Wien und mit einem deutschen Mann verheiratet. Bei ihr sind wir in den besten Händen und die einzigen Gäste hier. Bingo, wir haben das große Los gezogen. Ganz in der Nähe gibt es eine Hosteria, bei der sie uns für den gestrigen Abend einen Tisch reserviert hat. Als wir beim Wirt ankamen, sagten wir der Bedienung, dass wir von der Casa Vento kommen und man war sehr um uns bemüht. Beim Zahlen, machte ich für den heutigen Abend eine Reservierung und nannte "Casa Vento" und der junge Mann, mit dem wir vorher noch keinen Kontakt hatten, lächelte und sagte "Con piacere, Signore."
So, jetzt aber zum heutigen Tag. Als erstes machen wir uns auf den Weg zum "Gola del Furla" und finden einen schattigen Parkplatz. Die Furlo-Schlucht liegt zwischen dem Monte Pietralata (889 m) und dem Monte Paganuccio (976 m), die durch die Erosionskraft des Flusses Candigliano, einem Nebenfluss des Metauro, entstanden ist. Im Laufe der Jahrtausende hat sie eine beachtliche Tiefe erreicht, die jedoch nicht mehr sichtbar ist, da der Staudamm von 1922 den reißenden Wasserlauf in einen ruhigen See verwandelt hat. Vom Parkplatz bis zum Staudamm sind es rund 3 Kilometer. Es führt eine Straße durch das Tal die sich der Verkehr und die Fußgänger teilen. Für die Fußgänger gibt es einen Gehweg, der ein sicheres Wandern ermöglicht. Der Großteil des Weges ist durch Büsche und Bäume beschattet und es ist eine wirklich schöne Wanderung. Nach gut 1 1/2 Stunden sind wir wieder beim Parkplatz und fahren weiter nach Urbino.
Den Teil 2 des heutigen Tages mache ich alleine, weil Gerti sich nicht wohl fühlt. Während ich Urbino im Schnelldurchlauf absolviere, ruht sie sich auf der Rückbank im Auto aus. Urbino ist eine Stadt von immensem historischem und künstlerischem Reichtum. Von einem einfachen Dorf wurde sie zur „Wiege der Renaissance“, und noch heute kann man bei einem Spaziergang durch die Altstadt die Atmosphäre des 15. Jahrhunderts spüren. Jetzt, wo ich diesen Berichts schreibe, geht es Gerti wieder besser und wir wollen morgen die Stadt noch einmal gemeinsam besuchen und uns alles ganz genau ansehen. Deshalb nur ein paar Fotos vorab von heute.
23.6. - Urbino - die Zweite
In der Früh wecken mich die Vögelchen mit ihrem Gezwitscher. Ein Blick aus den Fenster verheißt schönes, heißes Wetter.
Wir machen uns gegen 9:30 Uhr auf den Weg nach Urbino, finden auf Anhieb einen Parkplatz und beginnen mit unserer ausführlichen Besichtigung. Zwischen dem Metaurotal und dem Fogliatal, in den Hügeln der Marken mit Blick auf die Adria, liegt die Stadt Urbino, eines der wichtigsten Zentren der italienischen Renaissance, deren künstlerischen Charme und architektonisches Erbe sie sich bis heute bewahrt hat. Im Jahr 1998 wurde Urbino die Ehre zuteil, in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen zu werden, da die Stadt Anziehungspunkt für die berühmtesten Gelehrten und Künstler der Renaissance aus ganz Italien und der ganzen Welt war und den kulturellen Fortschritt im übrigen Europa beeinflusste, wobei es ihr gelang, ihren außergewöhnlichen städtischen Komplex nahezu intakt zu erhalten. Der bedeutendste Sohn der Stadt ist Raffaello Sanzio da Urbino - besser bekannt als Raffael, der bedeutendsten Künstler der italienischen Hochrenaissance. Bei seinem Denkmal beginnt und endet unsere Erkundung der Stadt. Es würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, wenn ich zu jedem der Bilder einen Kommentar schreiben würde - aber eines sei gesagt: Urbino ist absolut eine Besichtigung wert.

24.6. - das Tal des Fiume Metauro
Heute ist unser letzter Tag in den Marken und wir machen noch eine letzte Erkundungstour. Der eher unbekannte Fluss Metauro, welcher ca. 35 km von unserem Quartier entfernt entspringt, ist heute das Ziel meiner Begierde. Naja, nicht allein der Fluss, sondern auch die kleinen Orte und vor allem die schöne Landschaft. Der Metauro wird von 2 Bächen gespeist, dem Meta und dem Auro. Daher auch sein Name. Wir fahren zur Abbazia di San Michele Arcangelo in Lamoli wo der Bach Meta noch alleine durch die Landschaft mäandert. Ein Besuch der sehr schlichten Klosterkirche gehört natürlich auch zu unserem Erkundungsprogramm.
Unser nächster Stopp ist das 5 km entfernte Borgo Pace - mit seinen 522 Einwohnern, eine Großstadt im Vergleich zu Lamoli mit 92 Seelen. Hier vereinen sich die beiden Bäche und ab hier fließt der Metauro 110 km, bis er bei Fano in die Adria mündet.
Die nächste Gemeinde ist Mercatello sul Metauro, gerade einmal 5 km weiter. Der Ort ist gut doppelt so groß wie Borgo Pace und der Fluss ist jetzt auch deutlich als solcher gut zu erkennen. Mercatello hat eine recht nette Innenstadt mit der Chiesa Collegiata Santi Pietro e Paolo, dem Palazzo Gasparini und dem Rathaus mit Laubengang. In der Kirche sind die Deckenmalerei und der rechte Seitenaltar wirklich sehenswert. Auffällig ist die Verehrung der Heiligen Veronica. Man muss wissen, dass es 2 Heilige Veronicas gibt. Die eine Heilige Veronica war eine Frau aus Jerusalem, die Jesus auf seinem Weg zur Kreuzigung begegnete. Sie reichte ihm ein Tuch, um seinen Schweiß und Blut von seinem Gesicht abzuwischen. Dabei soll sich das Bild Jesu auf wundersame Weise auf dem Tuch abgedruckt haben, welches als Schweißtuch der Veronica bekannt ist. Die zweite Heilige Veronica wurde am 27. Dezember 1660 in Mercatello sul Metauro als Ursula Giuliani geboren. (Daher die allgegenwärtige Verehrung hier im Ort.) Ursula wurde als Kind von ihrer sterbenden Mutter der Seitenwunde Jesu anempfohlen. Mit 16 Jahren trat sie im Kloster in Città di Castello den Orden der Kapuziner-Klarissen bei und wählte den Ordensnamen Veronica. Im Alter von 34 Jahren hatte sie eine erste Vision eines Kelches. 1688 wurde Veronika Novizen Meisterin ihres Klosters in Città di Castello. Am Karfreitag 1697 wurde sie mit Christi Wundmalen stigmatisiert. Zunächst versuchte sie dies trotz großer Schmerzen vor den anderen Schwestern geheim zu halten. Nach ihrer Entdeckung musste sie ihr Amt als Novizen Meisterin aufgeben. Von Mitschwestern denunziert, wurde sie schwersten Prüfungen seitens der Inquisitionsbehörde unterworfen; auch Peinigungen und Verhöhnungen ihrer Mitschwestern trug sie mit tiefer Demut, bis ihre Wunden als echt anerkannt wurden. Zuvor fast Analphabetin, lernte sie nun Lesen und Schreiben und schrieb auf Veranlassung ihres Beichtvaters und des Ortsbischofs von 1693 bis 1727 nachts ihre Erfahrungen auf - fast 22.000 handschriftliche Seiten sind ihr Nachlass, dazu 443 Briefe. Ab 1716 wurde sie mehrfach zur Äbtissin ihres Klosters gewählt. Veronicas unverweste Gebeine finden sich heute unter dem Hochaltar der heute ihr geweihten Klosterkirche in Città di Castello. Aber kommen wir zurück zum Fluss. Der ist mittlerweile so groß geworden, dass bereits die Römer eine Brücke über ihn bauten, die heute noch, so wie vor 2000 Jahren, genutzt wird.
Weitere 7 km entfernt liegt das Städtchen Sant’Angelo in Vado. Hier residieren knapp 4.000 Menschen. Wir machen einen Rundgang durch die Stadt, die leider nicht so recht zu überzeugen weiß. Durch die engen Straßen und Gassen rollt der Verkehr und von der Gemütlichkeit und Gelassenheit der vorher besuchten Orte ist nichts mehr übrig. Schade. Auch der Metauro ist hier teilweise reguliert.
25.6. - Anreise nach Chioggia
Schweren Herzens sagen wir heute Hengameh und ihrem Mann Jochen lebe wohl. Wir hatten hier eine großartige Zeit! Auf geht's zum letzten Quartier unserer Reise. Chioggia liegt etwas südlich von Venedig und die Altstadt befindet sich auf einer Insel. Ich war vor Jahrzenten einmal hier und möchte es mir noch einmal ansehen. Es gibt mehrere Möglichkeiten um nach Chioggia zu gelangen. Die eine Route verläuft entlang der Adria, die andere geht noch einmal ins Landesinnere und dann schräg hoch nach Ravenna, wo sie dann der ersten Route folgt. Wir entscheiden uns für die zweite Alternative und können uns so noch kurz bevor es bei Città di Castello auf die Schnellstraße geht das Santuario Madonna di Belvedere ansehen. Kernstück der Heiligen Stätte ist ein antikes Madonnen Bildnis.
Auf der Schnellstraße, die zumindest zur Hälfte aus Baustellen besteht, geht es zügig Richtung Ravenna. Kurz vor Ravenna liegt die Basilica di Sant'Apollinare in Classe, die wir uns auch noch ansehen. Der Bau wurde von Bischof Ursicinus in Auftrag gegeben. Die Weihe erfolgte am 9. Mai 549 durch Maximian, den ersten Erzbischof von Ravenna. Die Kirche ist eher schlicht gehalten und mit Ausnahme des Apsis Mosaikes und des Alters für mich als Kunstliebhaber und Historik Fan weniger interessant.
Ab jetzt geht es bei mittlerweile 34 Grad Außentemperatur immer in der Nähe der Küste nach Norden. Am Ziel angekommen wird erst einmal geduscht und die Klimaanlage aktiviert. Danach fahren wir noch in eine Bar auf einen kleinen Imbiss und ein Glas Wein.
26.6. - Chioggia

Vor unserer morgigen Heimreise, besuchen wir heute noch die Stadt Chioggia. Chioggia ist eine sehr alte Stadt. Die Legende über die Ursprünge von Chioggia ist mit der des Aeneas verknüpft, jenem mythischen trojanischen Helden, der vor der Zerstörung Trojas floh, über das Mittelmeer segelte, sich in Latium niederließ und Rom gründete. Mit Aeneas brachen auch Antenor, Aquilio und Clodio auf, die sich auf halber Strecke von ihren Mitbürgern trennten, um in Richtung der Lagune von Venedig zu segeln und Padua, Aquileia bzw. Clodia zu gründen. Das Symbol der Stadt, ein roter Löwe auf silbernem Grund, den Clodius selbst zur Erinnerung an seine Heimatstadt gewählt hatte, sowie der Name der Stadt selbst erinnern an diesen Mythos.
Ich war vor gut 40 Jahren schon einmal hier und habe Chioggia als die kleine und unaufgeregte Schwester Venedigs in Erinnerung. Das könnte sie auch heute noch sein, wäre nicht ausgerechnet heute Donnerstag. Jeden Donnerstag ist "El Zioba", der Wochenmarkt. Er wurde zum ersten Mal am 17. Juni 1852 veranstaltet und gehört heute noch zu den größten und bekanntesten Wochenmärkten Venetiens. Allerdings ist das Warenangebot in erster Linie touristischer Natur. Was soll ich sagen, die Menschenmassen schieben sich träge bei gut schwülen 34 Grad durch den ca. 500 Meter langen Markt - so lang ist Chioggia - und von den herrlichen Fassaden der Stadt ist nichts zu sehen. Lediglich die Cattedrale di Santa Maria Assunta ist vom Markttreiben ausgenommen und so kann ich mir wenigstens die kunstvollen Fenster der beiden Seitenaltäre ansehen. Wir gehen eine ganze Zeit lang durch den Markt und queren dann über eine der vielen Brücken zur Fondamenta Canal Vena. Hier, praktisch in Hinterhof des Corso del Popolo, ist es wesentlich ruhiger und auch hübscher. Am nördlichen Ende angekommen gehen wir wieder ein Stück durch den Markt und dann sehen wir durch eine Seitengasse doch tatsächlich ein Kreuzfahrtschiff direkt am Stadtrand an der Pier. Ja, wenn so ein paar tausend Kreuzfahrtgäste zusätzlich zu den normalen Touristen und Einheimischen die Gassen bevölkern, braucht man sich nicht über das Gedränge wundern. Völlig durchgeschwitzt gelangen wir wieder zu unserem Parkplatz und fahren zurück zum Quartier. Da hat es der Reiher besser, der kann sich gleich an der Kaimauer eine Erfrischung und einen Snack holen. Nach einer ausgiebigen Dusche ist es gleich viel besser, aber zum Ausgehen heute Abend haben wir keine Lust mehr. Es ist einfach zu heiß und zu schwül.
27.6. - Heimreise und Epilog
Heute geht es wieder nach Hause. Entgegen meines Hanges zu kleinen Straßen, nutzen wir dieses Mal die Autobahn. Dies hat zwei Gründe: die Fahrt durch die Vororte und die Industriezone Venedigs haben wir bei der Hinfahrt bereits einmal gemacht - ein weiteres Mal brauche ich das nicht - und da wir von Chioggia bis nach Hause ohne Autobahn annähernd 8 Stunden brauchen würden. Also nutzen wir die Autobahn bis kurz nach Udine. Warum nicht weiter? Es wird vom ÖAMTC dringend abgeraten, die Autobahn durch das Kanal Tal zu nutzen. Grund sind vermehr Überfälle auf Touristen. Die Gauner überholen dich und versuchen dich zu stoppen und auszurauben. Da von etwas nördlich von Triest bis kurz vor die Grenze keine Autobahnauffahrt existiert, ist es auch sinnlos die 112 (Polizei) zu rufen. Bis die kommen, ist es zu spät. Nach gut 2 1/2 Stunden sind wir über der Grenze in Arnoldstein und gehen erst einmal Mittagessen. Dann noch schnell den Tank füllen - hier gibt es einen großen Frächter mit günstiger Tankstelle - und jetzt geht es zügig über die Autobahn nach Hause.
So, und den Epilog hänge ich auch gleich dran.
Diese Reise hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Ich hatte keine Ahnung von Mittelitalien, schon gar nicht von den Gebieten abseits der Küsten. Die Natur und Kultur hier sind einzigartig. Das kleinste Dorf bietet mehr an Historie und Kunstgeschichte als man sich vorstellen kann. Das Essen ist hervorragend und preiswert, die Leute sind nett und die Unterkünfte sind in der Regel sehr gut. Ja, es gibt Ausnahmen - aber wenige. Wir sind knapp 6.000 Kilomter kreuz und quer auf teils abenteuerlichen Straßen durch das Land gereist und haben auch die hintersten Winkel uns angesehen. Und wir haben hier wunderbare Menschen kennen und schätzen gelernt. Würde ich es noch einmal tun? Ja, gewiss!